Sonntag, 15. August 2021

Augustsonntag in Rom

Nein, alleine wäre ich nicht hin gegangen, zum Mittagsgebet mit dem Papst an diesem Sonntag auf den Petersplatz. Bei dieser Hitze! Aber seit ein paar Tagen ist Gaspar bei uns im Haus, ein junger Mitbruder aus Tansania, der ab September einen einsemestrigen Kurs am Kinderschutzzentrum der Gregoriana hier mitmachen wird. Mit Gaspar mache ich mich also auf den Weg...

Nachdem ich – hoffentlich nicht überheblich – davon ausgehe, dass seine Geschwindigkeit beim Gehen geringer ist als die des langbeinigen Deutschen, und nachdem ich nicht sicher bin, wie oft die Busse sonntags fahren, schlage ich vor, bereits um 10.00 Uhr los zu marschieren. Als wir an der Bushaltestelle beim Bahnhof Ostiense ankommen, fährt gerade der Bus der Linie 280 vor. Wir steigen ein und warten noch ca. eine Viertelstunde bis zur Abfahrt. Wenigstens gibt es eine funktionierende Klimaanlage im Bus!

Als wir nach dem Aussteigen und einigen weiteren Metern zu Fuß von der Bushaltestelle bis zum Petersplatz dort ankommen, ist es gerade 11.00 Uhr. Die überschaubare Menschen-Schlange derjenigen, die in die Basilika wollen, lässt mich Gaspar vorschlagen, uns einzureihen, wir haben ja noch Zeit. Vor uns eine Familie, Eltern und zwei Buben, der Sprache nach aus Wien bzw. dem Osten Österreichs. Die Mutter sprüht und cremt sich mit Sonnenschutz ein und gibt das Spray dann an ihren Mann und die Söhne weiter. Der ältere der beiden reagiert etwas unwillig, gibt aber letztlich doch dem Drängen der Mutter nach.

Bei der letzten Kontrolle vor den Stufen zur Basilika hinauf diskutiert eine junge Dame mit dem „Wächter“, wieso sie nicht hinein darf – ihr Rock bedeckt nicht die Knie – ein Junge, dessen kurze Hosen ebenso die Knie frei lassen, aber schon.

Schließlich betreten wir, nachdem uns am Handgelenk die Körpertemperatur gemessen wurde, den Petersdom und Gaspar ist sichtlich beeindruckt von den Dimensionen. Langsam gehen wir im Dom nach vorne und dann auch noch hinunter in die Krypta zu den Papstgräbern. Ich staune darüber, wie viele Menschen hier sind. Im ganzen vergangenen Jahr sah ich nie so viele Menschen im Petersdom und auf dem Petersplatz, wenn ich bei der ein oder anderen Gelegenheit hier war.

Als wir aus der Krypta herauf zurück auf den Petersplatz kommen ist es 11.45 Uhr und wir suchen uns einen Platz im Schatten in der Nähe des Malteser-Stützpunkts. Die sehen wir dann auch einmal ausrücken, bei ihrer Rückkehr liegt eine junge Dame auf dem offenen Gefährt, die vermutlich die Sonne nicht gut ausgehalten hat.

Irgendwann kommt Tim vorbei, ein australischer Herz-Jesu-Missionar, der in deren Generalat arbeitet, begleitet von einem indischen Mitbruder. Nach ein wenig small-talk ziehen die beiden weiter. Wir werden uns nächstens bei uns im Haus wiedersehen...

Um 12.00 Uhr zeigt sich Papst Franziskus am Fenster und Beifall brandet auf. Wobei der Papst darauf keine Rücksicht nimmt, sondern sofort mit seiner kurzen Katechese zum Sonntagsevangelium beginnt: „Ich bin das Brot des Lebens“. Mir gefällt, was er sagt. Und ich bin dankbar, da auf dem Petersplatz zu stehen. Obwohl ich kein Problem habe, mit wenigen Leuten Gottesdienst zu feiern, im Haus sind wir derzeit nur zu viert zur morgendlichen Eucharistie und auch im Urlaub habe ich Eucharistiefeiern mit sehr wenig Mitfeiernden erlebt, so tut es doch gut, einmal „Masse“ bzw. „Fülle“ zu erleben und sich selbst als Teil davon. Vermutlich geht das anderen auf dem Petersplatz ähnlich. Es muss uns nicht darüber hinweg täuschen, dass wir Minderheit geworden sind oder immer mehr werden. Und auch die Aufmerksamkeit auf dem Petersplatz ist ja durchaus nicht nur auf den Papst und das, was er sagt, gerichtet. Da ist ein reges Kommen und Gehen – und vor allem Fotografieren. Das tut auch Gaspar. Hin und wieder drückt er mir sein Handy in die Hand, damit ich ihn fotografiere. Ich bin ganz erstaunt, als wir uns später über das Erlebte austauschen, wie viel er von den Worten des Papstes mit bekommen hat. Zumal er noch am Italienisch lernen ist.

Und die vielen Menschen auf dem Petersplatz sind mir ein Bild der Kirche. Kommen und Gehen, mehr oder wenige große Aufmerksamkeit - „pilgerndes Volk Gottes“. Da ist Platz für viele. Gott sei Dank!

Samstag, 31. Juli 2021

Rückfahrt nach Rom

Mittwoch, 28. Juli. Ich fahre nach Rom zurück. So meine ich. Auf dem Bahnsteig in Kufstein nehme ich das Display der Zuganzeige wahr. Dort steht: „Bitte die COVID-Einreisebestimmungen in Italien beachten“, aber ich denke mir nichts dabei. So steige ich ein und höre die Durchsage, dass die nach Italien Reisenden irgendein EU-Formular brauchen und zusätzlich einen negativen Covid-Test. Ich habe beides nicht. Soll ich´s riskieren? Mit meiner Bescheinigung der Erstimpfung? Die könnte ich vorweisen. Ich frage noch eine vorbei kommende Zugbegleiterin. „Wie ernst wird denn die Sache kontrolliert?“ „Fragen Sie mich nicht – ich mache nur die Durchsage.“ Okay! Bei der nächsten Station, in Wörgl steige ich wieder aus und kehre um. Bevor sie mich an der Grenze, am Brenner, aus dem Zug werfen...

In Kufstein zurück, mache ich mich im Internet über die Einreisebestimmungen schlau. Klar, ich hätte das vorher tun sollen. Br. Michael fährt mich zur Kufsteiner „Corona-Screening-Straße“, bei der es „eigentlich“ eine Anmeldung für einen Test bräuchte. Br. Michael hatte mich ermutigt, es einfach so zu versuchen. Und das klappte. Innerhalb weniger Minuten war der Test gemacht und mir zugesagt, das Ergebnis via SMS aufs Handy zu bekommen. Wow! In Rom stand ich für solch einen Test drei Stunden in der Warteschlange. Wieder zu Hause warte ich auf das Testergebnis, um die nächsten Schritte tun zu können. Und es kommt nicht. Nicht nach einer halben Stunde, nicht nach einer Stunde. Ich wähle die Hotline und erzähle der Dame am Apparat, dass ich testen war und kein Ergebnis kam. „Da muss ich sie mit unserem epidemiologischen Zentrum verbinden, ein Moment bitte“. Und dann bin ich 20 Minuten in der Warteschleife. Ich höre, wie ich von Platz 3 über Platz 2 auf Platz 1 vorrücke und endlich meldet sich jemand. Und erklärt mir, dass sie das Ergebnis nicht einsehen könne und ich mich doch bitte an das Testzentrum selbst wenden möge.

Nachdem es dort keine Telefonnummer (zu erfahren) gibt, fahre ich also noch einmal hin. Und die nette junge Frau vom Roten Kreuz erklärt mir, dass so etwas schon einmal vorkomme und sie mir das Testergebnis ausdrucken werde. Jetzt habe ich immerhin ein Papier in der Hand.

Damit mache ich mich auf den Weg in mein „Kufsteiner Urlaubsquartier“ und buche wieder Fahrkarten: bei der Österreichischen Bundesbahn von Kufstein bis Bologna, bei Trenitalia von Bologna bis Rom.

Und dann fülle ich noch das digitale Einreiseformular aus, nachdem ich mich zunächst einmal beim Portal registriert habe. Was die alles wissen wollen!

Die ganze Sache ist unangenehm, einmal ganz abgesehen von den Mehrkosten für die Bahn-Fahrkarten und zwei verpassten Zoom-Video-Konferenzen, die für den 29.7. vorgesehen waren.

Da sitze ich jetzt im Zug.

Andererseits ist der Tag meiner „geplatzten Reise“, der 28.7., der 70. Jahrestag der Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention. Was machen Menschen alles mit, die unterwegs sind. Meine „Probleme“, an die erforderlichen Dokumente für die Reise zu kommen, sind doch eher „Luxus-Probleme“, bzw. vernachlässigbar im Hinblick auf einen Menschen, der flüchten musste und unter Umständen seine Dokumente unterwegs verloren oder gestohlen bekommen hat.

Zweiter Anlauf also am 29.7., Donnerstag. Es ist anders als am Tag zuvor. Keine Durchsage gleich nach dem Einsteigen in Kufstein. Sondern nach dem Bahnhof Wörgl geht ein ÖBB-Mitarbeiter durch den Zug und fragt nach denjenigen, die nach Italien einreisen wollen. Denen erklärt er persönlich die dafür notwendigen Dokumente. Wobei ich dabei den Eindruck gewinne, dass niemand einfach so die Reise unterbrechen müsste. Was passieren kann, ist, dass jemand nach der Ankunft in Quarantäne geschickt wird. Das kenne ich ja schon und das hätte mir nicht einmal etwas ausgemacht. Zu meinem zweiten Impftermin kommenden Dienstag hätte ich mich irgendwie auf den Weg machen müssen. Außerdem scheint die EU-Einreiseerklärung für jemandem mit Wohnsitz im Land gar nicht unbedingt erforderlich. Aber wer kennt sich schon ganz genau aus?

Wir haben etwas Verspätung, nachdem der Zug am Brenner einige Minuten später startet und vor Verona aufgrund technischer Probleme etwas langsamer fahren muss. So verpasse ich den Anschlusszug in Bologna, erwische aber einen Folgezug eine halbe Stunde später und komme glücklich in Rom an.