Mittwoch, 15. April 2026

Behalten oder wegwerfen?

Viele Jahre hat er mich begleitet, ein Serviettenring aus Holz, den mir eine befreundete Ursulinenschwester aus ihrem Tertiatsjahr in Botswana in Afrika mitbrachte. Von dort zurück gekehrt, schenkte sie mir eben diesen Serviettenring aus Holz in Form eines Zebras. Das Loch in der Mitte war etwas klein, manche Serviette ließ sich, selbst gut zusammengerollt, gar nicht hinein bzw. durch stecken. Also riet mir ein Mitbruder Ende der 90er Jahre in Baumgärtle, mit Hilfe der Bohrmaschine dieses Loch zu vergrößern. Was ich (unbegabter Handwerker!) auch versuchte - und womit ich das arme Holzzebra verletzte.

Im Lauf der Jahre trug das Holz-Zebra verschiedene Schäden davon: ein Ohr brach ab, ein Teil des Vorderfußes. Und einmal brach es mitten entzwei, vermutlich eine Spätfolge meines Bohr-Manövers. Es gelang mir, die beiden Teile wieder zusammen zu leimen und der Serviettenring tat weiter seinen Dienst und begleitete mich, machte allerhand Umzüge mit. Die „Zebrastreifen“ waren wohl mit schwarzer Farbe aufgemalt gewesen, denn die Farbe verblasste mit der Zeit bzw. durch das regelmäßige Angreifen. So dass meine römischen Mitbewohner vom „cavallo“, dem Pferd, sprachen, während es für mich immer das Zebra blieb.

In Rom brach es dann ein weiteres Mal entzwei. In unserem Haus dort gibt es keine Werkstatt, wie ich sie woanders zur Verfügung hatte. So trug ich die beiden Teile meines Zebras zum „corniciaio“, einem Geschäft für Bilderrahmen. Tatsächlich leimte mir ein junger Mann das Zebra wieder zusammen. (Später trug ich dorthin auch das Foto des neu gewählten Papstes Leo XIV., um es rahmen zu lassen.) Und ich hatte mir vorgenommen: wenn das Zebra noch einmal auseinander bricht, dann werde ich es wegwerfen. So geschah es vor ein paar Tagen. Nicht ohne ein wenig Wehmut wanderten die beiden Zebrateile zum Restmüll.

Jetzt liegt die Serviette einfach so an ihrem Platz. Die Mitbrüder hier rieten mir zu einer Alternativlösung und erwähnten Serviettentaschen, die vorhanden sein müssten. Die Mutter des einen hatte sie vor Jahren einmal genäht, bzw. bestickt. Sie waren jedoch nicht ganz sicher, ob sich diese Teile noch finden ließen, da sie schon lange keine Verwendung hatten, nicht alle sind Serviettennutzer wie ich. Also machte ich mich auf die Suche und fand – tatsächlich nichts. Einer hatte die Serviettentaschen vermutlich – weil nicht benutzt und deswegen überflüssig – entsorgt. So ist das mit dem Behalten und Wegwerfen...