Mittwoch, 15. Juli 2026

KI und Freiheit

Am Morgen las ich einen italienischen Text und verstand dabei ein Wort nicht. Also klickte ich auf dem Handy das Online-Wörterbuch an. Was sich dort jedoch zunächst öffnete, war ein Fenster, welches mich auf die Möglichkeit der KI-Übersetzung hinwies, zu der mein Handy in der Lage sei. Etwas genervt schloss ich das Fenster und fand im Wörterbuch die Übersetzung des Wortes, die ich gesucht hatte. Klar weiß ich um Übersetzungsprogramme und nutze auch eines, wenn ich einen längeren Text übersetzen möchte. Aber dann entscheide ich mich dafür! Grundsätzlich will ich mir die Option des selbständigen Übersetzens offen halten, ich halte das auch für einen kreativen Prozess.

Vor kurzem z.B. wünschten die Angehörigen eines Mannes, der von Beruf Förster und dessen Leben von einer großen Naturverbundenheit gekennzeichnet war, dass bei der Messe am Tag seiner Beisetzung der „Sonnengesang“ des hl. Franziskus gelesen werden solle. Die Schwiegertochter las dann die Version, so wie sie im Gotteslob (19/2) steht. „...Gelobt seist du, mein Herr für Schwester Mond und die Sterne...“ Sucht man auf der Homepage der (deutschen) Franziskaner den Sonnengesang, so heißt es dort: „Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne“. Also einmal „für“ und einmal „durch“. Was doch zugegebenermaßen ein Unterschied ist!

Das „per“ im italienischen Original („Laudato si’, mi signore, per sora luna e le stelle“) lässt beide Übersetzungsmöglichkeiten zu, „für“ oder „durch“. Wenn ich mir also den italienischen Sonnengesang durch KI übersetzen lasse, dann ist zu erwarten, dass ich eine der möglichen deutschen Versionen erhalte. Ich aber freue mich dabei nicht am mehrdeutigen „per“ und muss bzw. darf nicht meine Übersetzungsentscheidung treffen.

Später am Tag saß ich dann am PC, um E-Mails zu lesen und zu beantworten. Und störte mich wieder einmal daran, dass bei der Beantwortung einer Mail sofort ein Fenster mit dem Angebot zu sehen war, dass die KI für mich die Beantwortung übernehmen oder eine Mail kürzen würde. Ich schloss das Fenster. Ich werde mich schon melden, wenn ich derartige Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Aber auch das Schreiben einer Mail muss ja nicht nur eine lästige Pflicht sein, sondern kann wiederum ein kreativer Prozess sein. Wofür sollte ich außerdem die gewonnene Zeit verwenden?

An einem anderen Tag wollte ich mir abends zur Entspannung einen Krimi ansehen. Und – jetzt fühlte ich mich doch tatsächlich ertappt und durchschaut! - was lese ich da auf dem Bildschirm: „da Sie gerne Krimis sehen, haben wir folgende Empfehlungen für Sie!“ Ist ja irgendwie nett, aber mir wird doch wieder neu bewusst, wie „gläsern“ der Mediennutzer wird.

Der gute alte Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel meinte, die Weltgeschichte sei eine Geschichte wachsender Freiheit: die Welt bewege sich von einer Abnahme äußerer Autorität hin zu einer Zunahme individueller Autonomie. (So habe ich es in einem online zugänglichen Artikel „Secularization, Models of the Church and Spirituality: The Future of the Church in Light of Today's Trends“ des ungarischen Jesuiten Ferenc Patsch gelesen). Angesichts der Hilfsangebote meiner technischen Hilfsmittel, welche mir Übersetzungen, Briefe-Schreiben und Filmauswahl abnehmen wollen, habe ich den Eindruck, um meine individuelle Autonomie ringen zu müssen, um nicht meine Freiheit zu verlieren.

Ob es ein überzogener Pessimismus der Kritiker/inn/en der Möglichkeiten künstlicher Intelligenz ist, wenn sie darauf hinweisen, dass die Gefahr bestehe, das Denken bzw. das Fragen zu verlernen, was letztlich unter anderem auch gefährlich für die Demokratie sein kann?

Dienstag, 30. Juni 2026

CPPS aktuell - Juni 2026

Heute möchte ich mit Dir/Ihnen zwei Nachrichten aus der Welt der Missionare vom Kostbaren Blut teilen, die mich in letzter Zeit erreicht haben und mich freuen. In der Nachricht aus Kolumbien wird P. Oscar Quiroz erwähnt, dessen Priesterweihe in Bogotá ich mitfeiern durfte. Die zweite Mitteilung hat mit der Reise von Papst Leo nach Spanien in diesem Monat und der Pfarrei Orcasitas in Madrid zu tun, wo ich ein knappes Jahr mit den spanischen Mitbrüdern leben durfte. Während dieser Zeit wohnte mit uns auch ein junger Mann aus Senegal, der damals ohne gültigen Aufenthaltsstatus war.

Aus Kolumbien:

Auf unserer (Lateinamerikanischen, A.S.) Provinzversammlung im Februar wurde einstimmig beschlossen, dass wir die Leitung der Pfarrei San Carlos Borromeo in der Erzdiözese Villavicencio übernehmen werden. Sie liegt in der Gemeinde San Carlos Guaroa, in der kolumbianischen Ebene und fünf Stunden von Bogotá entfernt. Das Wetter unterscheidet sich von dem in Bogotá; die Temperaturen liegen zwischen 80 und 100 Grad (in Celsius: 27-38, A.S.) und es gibt eine lange Regenzeit.
In der Kongregation gibt es eine Redensart, wonach es Teil unseres Charismas ist, dorthin zu gehen, wo andere nicht hingehen wollen. Dies ist nun für uns Wirklichkeit geworden. Niemand in der Erzdiözese wollte die Leitung der Pfarrei übernehmen, und das aus gutem Grund. Der ehemalige Pfarrer war in einige Skandale verwickelt; bevor er die Pfarrei verließ, ließ er das Pfarrhaus abreißen und verkaufte das Pfarr-Auto, zu dessen Anschaffung die Gemeindemitglieder beigetragen hatten. Aus diesem Grund begannen die Menschen, sich von der Pfarrei zu distanzieren, und wurden gleichgültig.

Die Patres Oscar Quiroz und Joseph Deardorff übernahmen am 22. März im Rahmen einer Feier, an der der örtliche Bischof, unser Provinzial sowie weitere Mitglieder des Distrikts teilnahmen, offiziell die Leitung der Pfarrei. Unsere Anwesenheit hat unter den Menschen neue Hoffnung geweckt, und während der Karwoche war ihre Beteiligung beeindruckend. Da in der Kirche nicht genügend Platz für alle war, feierten wir das Triduum draußen auf dem Platz. Es gibt viel zu tun, aber wir haben die Freude zu wissen, dass dies der Ort ist, an dem der Herr uns haben will. Betet für uns, während wir unseren Weg fortsetzen. (https://www.preciousbloodus.org/blog/a-dream-come-true-in-colombia)

Aus Spanien:

Vor einigen Tagen sprach eine Migrantenfamilie aus Peru (Jorge, Liliana und Dhana) in Madrid vor Papst Leo. Sie berichteten, wie die katholische Gemeinde sie mit offenen Armen aufgenommen habe, insbesondere – so Jorge – die CPPS-Gemeinde der Pfarrei der Missionare vom Kostbaren Blut in Orcasitas, Madrid. Die CPPS-Familie ist von diesem eindrucksvollen Zeugnis tief bewegt und dankt dem Herrn für die Anwesenheit unserer Brüder und Schwestern unter uns.

Klicken Sie auf den Link, um einen Ausschnitt der Rede auf Spanisch anzusehen:
https://www.facebook.com/watch/?v=2019182638673832

(https://www.cppsmissionaries.org/peruvian-migrant-family-tells-pope-leo-how-they-were-welcomed-by-the-cpps-community-of-orcasitas-madrid/)

Voranzeige:

  • Sternwallfahrt nach Maria Baumgärtle, „Gemeinsam im Glauben unterwegs“, 4. Juli 2026

  • Doppeljubiläum 70 Jahre Pfarrkirche Salzburg-Parsch und 60 Jahre Erhebung zur erzbischöflichen Stadtpfarrkirche zum Kostbaren Blut von 3. bis 5. Juli in Salzburg-Parsch


Montag, 15. Juni 2026

Bücher und Menschen

Ich war unterwegs und hatte keinen Lesestoff dabei – ein Zustand, den ich kaum ertrage. Dann lag da im Gastzimmer ein Buch, welches ich vor einiger Zeit einmal gelesen hatte. Ehrlich gesagt hatte ich mich „durchgekämpft“ und vieles nicht verstanden. So dass ich enttäuscht war, das Buch erworben zu haben, mich vom Titel bzw. einem im Internet gefundenen Beitrag des Autors zum Kauf des Büchleins verführt haben zu lassen.

Aber jetzt hatte ich nichts anderes greifbar und wollte lesen! Also griff ich – natürlich mit etwas Überwindung – zu dem Buch, welches mich bei der ersten Lektüre enttäuscht zurück gelassen hatte. Und – war völlig überrascht, weil mich die Gedanken des Autors ansprachen, ich einiges tiefgründig und inspirierend fand. Ja gibt es denn so etwas? Was ist passiert? Bin ich bei der erneuten Lektüre aufmerksamer, wacher? Hatte das erstmalige Lesen den Boden dafür bereitet, dass es beim zweiten Anlauf klappt? Komisch, rätselhaft... Ich gebe zu, es gibt Passagen im Buch, die sich mir weiterhin nicht erschließen. Aber die positiven Empfindungen lassen mich dran bleiben, weiter lesen.

Als ich das Buch aus der Hand lege, gerate ich ins Nachdenken. Wie ist das mit meinen Kontakten oder Beziehungen zu anderen Menschen? Gibt es da Ähnlichkeiten zum Lesen eines Buches? Dass ich bei der einen oder dem anderen froh bin, wenn es zu keinem „Zweit-Kontakt“ kommt und wir uns nicht mehr über den Weg laufen? Und wenn so etwas auch nur an der Tagesform liegen sollte? Würde sich nicht das ein oder andere Mal ein erneuter Anlauf lohnen? Abgesehen davon, dass ich dem/r anderen ohnehin nicht gerecht werde, wenn ich ihn/sie nach einer ersten Begegnung „schubladisiert“ habe. Wer weiß, welche Entdeckungen sich in weiteren Begegnungen machen lassen oder ließen. Also auch hier: dran bleiben, nicht locker lassen, nicht aufgeben...

Vielleicht gibt es ja noch ganz „neue Seiten“ am anderen zu entdecken? Und welche Schätze mögen da noch unentdeckt in meinem Bücherregal stehen? Eben auch im übertragenen Sinn.

Etwas von dem, was mich in unserer Gemeinschaft der Missionare vom Kostbaren Blut am meisten beeindruckt, ist das „Precious Blood Ministry of Reconciliation“ (PBMR) in Chicago. In einer durch Bandenkriege und Gewalt gekennzeichneten Gegend haben die Missionare einen Raum eröffnet, in dem sich Täter und Opfer begegnen. Da kann es einen Gesprächskreis geben von Müttern, die ihre Kinder durch Schüsse verloren haben, mit den Müttern der Todesschüsse. Junge Leute, die vor allem Verachtung erfahren und ausgeschlossen werden, finden einen Ort, an dem sie angenommen und akzeptiert werden, sich öffnen können.

An unserer Schule hier war neulich etwas vorgefallen, eine Schülerin hatte etwas wirklich Übles „ausgefressen“ und als ich über die Sache nachdachte, war mir aufgefallen, dass ich sie innerlich bereits verurteilt hatte. Nachdem ich aber auch Geschichten aus Chicago kenne, revidierte ich meine Meinung. Konkret bin ich der Schülerin gar nie begegnet. Und doch merke ich, dass sich in mir etwas verändert, gewandelt hatte.

Sonntag, 31. Mai 2026

Wasch mich - aber mach mich nicht nass...

Ich bin nicht ganz sicher: habe ich es bei Richard Rohr gelesen? Habe ich es richtig verstanden? In meiner Erinnerung geht es darum, besser von Transformation als von Konversion zu sprechen. Transformation bringt zum Ausdruck, dass da bei aller Änderung etwas (erhalten) bleibt. Beim Apostel Paulus lässt sich das erkennen: aus dem Eiferer für das Gesetz wird der Eiferer für Christus. Wobei die Sache bei Paulus ohnehin nicht so ganz einfach ist. Manche bevorzugen es, von der „Berufung des Paulus“ anstatt von seiner „Bekehrung“ zu sprechen. Was durchaus etwas für sich hat. Denn es ist ja nicht so, dass aus dem Juden ein Christ geworden wäre, sondern aus dem jüdischen Christenverfolger ein jüdischer Christusverkünder. Und dabei gibt es Konstanten, gleichbleibende Charaktereigenschaften. Der leidenschaftliche Eifer bleibt – das Objekt des Eiferns ist ein anderes geworden. Transformation. Beim Lesen von Bekehrungsgeschichten ist das im Hinterkopf zu behalten.

Was mich zur Zeit nachdenklich macht: ich meine, recht häufig dem Wort Transformation zu begegnen. Es geht um gesellschaftliche, politische und auch kirchliche Transformationsprozesse. Dies scheint eine Reaktion auf unbestimmte oder auch bestimmte Gefühle und Erkenntnisse zu sein, dass sich „etwas ändern muss“. Transformation ist en vogue. Und da merke ich, dass ich mich ein wenig nach der Konversion zurück sehne. Im Sinne einer echten Veränderung im Unterschied zu einer nur kosmetischen. Bisweilen sollte man sich an Re-form, nicht nur an Trans-form(ation) machen.

Als Vergleich: vor kurzem las ich irgendwo eine kritische Anfrage an die „Mobilitätswende“, die letztlich darin zu bestehen scheint, die Art des Treibstoffs zu ändern, von Benzin auf Strom umzusteigen, aber nicht das Mobilitätsverhalten an sich, unsere Art zu reisen und uns fortzubewegen. Mit subventioniertem Flugbenzin und ohne Tempolimit auf Autobahnen spielen wir in Deutschland da ohnehin eine fragwürdige, wenn nicht zwielichtige Rolle.

Um „kirchlich“ zu konkretisieren, möchte ich ein paar Beispiele anführen. Oft genug habe ich selbst in Predigten betont, dass ein Heiliger nicht „ein moralischer Tugendbolzen“ ist, der gleichsam spirituelle Höchstleistungen erbringt, sondern jemand, der Gottes Liebe erkannt und angenommen hat und von daher sein Leben bestimmen und – ja – verwandeln lässt. Aber selbst wenn die Gefahr des (Miss-)Verständnisses einer „Leistungsreligion“ heute (noch?) gegeben sein mag: ist nicht das Missverständnis einer „Wellness-Religion“ genauso real gegeben? Es geht eben nicht nur um (mindful based) Stress-Reduktion, sondern um ein Sensibel-Werden für Unrecht, um aktiv und engagiert dagegen anzugehen. Um die dafür nötigen offenen Augen, nicht nur die geschlossenen des In-Sich-Ruhens. (Hier bin ich Prof. Michael Höffner für einen Hinweis in einer Berliner Vorlesung dankbar). Noch konkreter: wenn wir gefragt werden, uns kirchlicherseits bei den städtischen „Gesundheitstagen“ zu beteiligen, dann können wir sicher eine „Schweigemeditation“ anbieten und hoffen, dass diese wohltuend erfahren wird. Müssten wir aber nicht auch einen „Gesundheitswahn“ anfragen, man beachte nur einmal die in der Fernsehwerbung überproportional vorkommenden Arzneimittel? „Das Wichtigste ist doch die Gesundheit!“ Stimmt das? Wie sagte ein schwäbischer Pfarrer: „Mir scheint die Zufriedenheit wichtiger. Ich habe gesunde Leute erlebt, die nicht zufrieden waren. Und ich habe Leute erlebt, die trotz Krankheit zufrieden waren“.

Auch im Bereich der Exerzitienarbeit kenne ich die Versuchung, dem Wellness-Gedanken nachzugeben. Und dabei ein mögliches Veränderungspotential, etwa im Sinn des „magis“ (mehr) von Ignatius, außen vor zu lassen. Es geht doch um etwas, bzw. bei Exerzitien, es geht auch um jemanden! Im Exerzitienbuch des Ignatius wird das „Gespräch mit dem Gekreuzigten“ angeregt.

Wenn wir über Liebe reden, was wir ja gerne tun, dann hat das mit wechselseitigem Geben und Nehmen zu tun, sonst stimmt etwas nicht.

So bin ich dankbar, dass ich zu einer Gemeinschaft gehören darf, welche den sperrigen Namen „Missionare vom Kostbaren Blut“ hat. Wenn manche schon bei „Mission“ mit den Augen rollen, dann lässt das „(kostbare) Blut“ anderen die Haare zu Berge stehen. Auch wenn der Titel der Gemeinschaft natürlich auf dem Hintergrund seiner Entstehungszeit und ihrer Frömmigkeit zu verstehen ist: das Blut Jesu ist für mich das Zeichen einer alles anderen als „billigen Liebe“. Ich werde beschenkt, ohne etwas dafür tun zu müssen. Ja, ich kann mich mit meinen Fehlern (um nicht zu sagen mit meiner „Sündhaftigkeit“) zu ihm hin begeben. Und möchte aber dort nicht gleichgültig passiv bleiben, irgendwie will ich – in all meiner Beschränktheit – zu antworten versuchen. Und hoffe auf Transformation – meine und diejenige der Welt...

Freitag, 15. Mai 2026

P. Jakob Förg MSC

Mit großer Dankbarkeit denke ich an P. Jakob Förg MSC, der am 9. Mai mit 85 Jahren verstorben ist. Wenn ich mich recht erinnere, dann haben wir uns während meines Studiums in Salzburg kennengelernt und sind seitdem immer in Kontakt geblieben.

Sicher habe ich ihn nicht gut genug bekannt, um ein umfassendes Lebensbild von ihm zu zeichnen. Von dem wenigen, was ich weiß und erlebt habe, sind es drei miteinander verbundene Stränge, welche ich unterstreichen möchte.

Wenn ich an Jakob denke, dann sehe ich ihn Fahrrad fahrend in Salzburg unterwegs. Diese für ihn typische Fortbewegungsart ist für mich ein Ausdruck seiner Einfachheit und Bescheidenheit. Er war absolut nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellte. Und schien mir immer sehr aufmerksam für sein jeweiliges Gegenüber.

Während meiner Zeit als Pfarrer in Salzburg-Parsch hatte ich ihn – und hier komme ich bereits zum zweiten Strang – einmal zu einem Abend in die Gemeinde eingeladen, um über die verfolgte Kirche zu sprechen. Er kam natürlich mit dem Fahrrad! Und erzählte sehr beeindruckend. Bis heute erinnere ich mich an eine Fahrradgeschichte an diesem Abend. Jakob berichtete von einer „Missionsstrategie“ chinesischer Christen, welche mit dem Fahrrad unterwegs sind und bei einer echten oder vorgetäuschten Fahrradpanne die Gelegenheit nutzen, um Hilfe zu bitten und den jeweils Helfenden von Jesus zu erzählen. Kreativ!

Jakob setzte sich mit großem Engagement für die verfolgten Christen ein und für solche, die in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion neue Freiheit gewonnen hatten. Kein Wunder, dass auch das Hilfswerk „Christen in Not“ früher „Christian Solidarity International CSI“ an ihn erinnert (https://christeninnot.com/cin-trauert-um-p-jakob-foerg/). Oft reiste Jakob nach Litauen und auch in andere Länder im Osten, pflegte Kontakte und unterstützte. Hin und wieder schickte er mir einen Jahresbericht seiner diesbezüglichen Aktivitäten und ich war jeweils tief beeindruckt davon. Vermutlich ist er für den Transport von Tonnen von Literatur in die Länder jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs verantwortlich. Religiöse Kinderliteratur hat er übersetzen und drucken lassen. „Die kleine Eule“ von Lene Mayer-Skumanz ist sicher durch Jakob ganz vielen Menschen in verschiedenen Ländern bekannt geworden. Manchmal konnte Jakob auch theologische Literatur aus Nachlässen an Bibliotheken in Priesterseminaren oder anderen Bildungseinrichtungen in Ländern des Ostens vermitteln.

Und er war nicht nur für den Transport gedruckter Worte, sondern auch für denjenigen gedruckter Musik im Einsatz. Viele Musikliteratur fand durch ihn ihren Weg über Grenzen. Wie konnte er sich freuen, wenn ihm ein Musikalienverlag Notenmaterial zu diesem Zweck überlassen hatte. Natürlich hatte diese besondere Form des Einsatzes mit Jakobs persönlichen Fähigkeiten als Kirchenmusiker zu tun, er spielte Orgel und konnte auch einen Chor leiten. Ich erinnere mich an seine Freude darüber, wenn es ihm gelungen war, Stipendienplätze für junge Kirchenmusiker/innen aus Ländern des Ostens bei kirchenmusikalischen Werkwochen in Salzburg zu bekommen. Manchmal traft er dann die Teilnehmenden solcher Kurse bei seinen Reisen wieder.

Sein Engagement für Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion war bisweilen beinahe kämpferisch. Ein paar Mal sandte er mir die Kopie eines (Beschwerde-)Briefes, den er an Präsident Putin geschrieben hatte. Jakob war auch im Kontakt mit Tatiana Goritschewa, deren Buch „Von Gott zu reden ist gefährlich“ ich als Student gelesen hatte. Hin und wieder sandte er mir die Kopie eines Briefes, den Tatiana ihm geschrieben hatte und er teilte mir auch noch ihren Tod im vergangenen Jahr mit.

Hinter allem Engagement Jakobs mache ich eine geistliche Tiefe aus, die ihn wohl antrieb und zum Einsatz befähigte. Im Normalfall hatten seine Mails an mich immer mehrere Anhänge. Er sandte mir Manuskripte von Morgenandachten des Deutschlandfunks oder von Predigten des Linzer Sozialreferats, die ihm gefallen hatten. Und zum Namenstag bekam ich mehrmals den Text eines Aloisius-Liedes von ihm gesandt.

Mit großer Dankbarkeit gehe ich davon aus, dass Jakob mit festlicher Musik und Gesang in verschiedenen Sprachen empfangen werden wird!

Donnerstag, 30. April 2026

Weltgebetstag um geistliche Berufe

26. April 2026. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, zum 63. Mal, 1964 war der erste. Ich musste rechnen, weil ich ja auch 1964 zur Welt kam. Aber im Jahr meines ersten Geburtstags wurde der Weltgebetstag eben schon zum zweiten Mal begangen. So sind wir gleich alt, aber der Weltgebetstag ist mir ein Jahr voraus.

Schon vor Jahren kursierten Witze über Bischöfe aus Indien oder Afrika, die sich bei ihren deutschen Kollegen bedankten: „toll, dass Ihr um geistliche Berufungen betet, das Gebet kommt bei uns an!“ Tatsächlich: während hierzulande Priesterseminare geschlossen bzw. zusammengelegt werden müssen und die theologischen Fakultäten Überlebensstrategien entwerfen, werden in einigen Ländern Afrikas neue Priesterseminare eröffnet. Mit dem „Import von Priestern“ ist das so eine Sache. Von einer deutschen Diözese hörte ich, es habe sich selbst als Regel gegeben, dass nicht mehr als ein Drittel der in der Diözese arbeitenden Priester aus dem Ausland sein sollen. Eine österreichische Diözese dagegen hat sich entschlossen, keine ausländischen Priester mehr anzustellen. Die Missionare vom Kostbaren Blut erinnern dieses Jahr an den Beginn ihrer Präsenz im afrikanischen Tansania vor 60 Jahren. Drei italienische Missionare begannen seinerzeit. Heute gehören zur tansanischen Provinz gut 80 einheimische Missionare und in Tansania arbeiten noch zwei italienische Missionare. In Rom bin ich im vergangenen Jahr noch einem jungen afrikanischen Missionar begegnet, der zur Gemeinschaft der Afrika-Missionare (früher wurden sie „Weiße Väter“ genannt) gehört. Er erzählte mir, dass er Vorbehalte seiner europäischen Mitbrüder nicht verstehe, welche sich gegen den Einsatz von Afrikanern in Europa aussprechen. „Die sind doch früher auch zu uns gekommen!“ Es gilt, genau hinzuschauen. In einer immer mehr zusammenwachsenden Welt können weltkirchliche Erfahrungen ein großes Geschenk sein und gegen kirchliche Enge helfen. Aber so etwas muss dann auch proaktiv angegangen werden, nicht dass Leute von außerhalb engagiert werden, um ein bestehendes, evtl. ja sogar siechendes, System zu erhalten.

Ich werde das Foto von den runden Tischen in der Synodenaula nicht los, an denen Kardinäle und „Laien“, Frauen und Männer gemeinsam saßen. Welch ein Bild von Kirche! Eben nicht die einen vorne und die anderen hinten. Die einen am reden, die anderen am zuhören. Die einen am lehren, die anderen am lernen. Wobei es ja nicht um eine primitive Gleichmacherei geht!

Vor kurzem zeigte uns ein Pastoralpsychologe eine Graphik, bei der ganz oben „Gott“ stand, darunter waren die Laien und ganz unten auf der Seite die Seelsorger/Priester. Als ich ihn fragte, ob nicht die Priester zwischen den gläubigen Laien stehen sollten, blendete er eine weitere Folie ein, wo genau das zu sehen war. Mit seiner ersten Folie hatte er, so erklärte er mir, ausdrücken wollen, dass die hauptamtlichen Seelsorger den Menschen dienen sollen. Die Seelsorger stehen nicht zwischen Gott und den Menschen, sondern eben unter ihnen.

Gebet um geistliche Berufe am Weltgebetstag ist also ein Gebet, welches „eigennützig“ sein soll und gleichzeitig in die Pflicht nimmt. Wir beten um Menschen, die uns in unserem Glauben helfen, begleiten, mit uns auf dem Weg sind. Weil wir im Glauben unterwegs sein und wachsen wollen!

Vor diesem bzw. auf diesem Hintergrund wird es dann auch um die Fragen von Geld und Macht gehen. Was ist „ehrenamtlich“, was bezahlte Arbeit? Und wer entscheidet auf den verschiedenen Ebenen? Gut, dass da synodale Lernprozesse am Laufen sind.

Immer mehr wird auch über die Umnutzung bzw. Profanierung von Kirchbauten gesprochen bzw. geschrieben. Interessant finde ich die Ideen einer Weiternutzung von Kirchen als Kulturorte bzw. als gemeinschaftliche Treffpunkte ohne Konsumzwang. Gleichzeitig frage ich mich, wie viele Kirchbauten überlebensfähig sind ohne die „lebendigen Steine“.

Mittwoch, 15. April 2026

Behalten oder wegwerfen?

Viele Jahre hat er mich begleitet, ein Serviettenring aus Holz, den mir eine befreundete Ursulinenschwester aus ihrem Tertiatsjahr in Botswana in Afrika mitbrachte. Von dort zurück gekehrt, schenkte sie mir eben diesen Serviettenring aus Holz in Form eines Zebras. Das Loch in der Mitte war etwas klein, manche Serviette ließ sich, selbst gut zusammengerollt, gar nicht hinein bzw. durch stecken. Also riet mir ein Mitbruder Ende der 90er Jahre in Baumgärtle, mit Hilfe der Bohrmaschine dieses Loch zu vergrößern. Was ich (unbegabter Handwerker!) auch versuchte - und womit ich das arme Holzzebra verletzte.

Im Lauf der Jahre trug das Holz-Zebra verschiedene Schäden davon: ein Ohr brach ab, ein Teil des Vorderfußes. Und einmal brach es mitten entzwei, vermutlich eine Spätfolge meines Bohr-Manövers. Es gelang mir, die beiden Teile wieder zusammen zu leimen und der Serviettenring tat weiter seinen Dienst und begleitete mich, machte allerhand Umzüge mit. Die „Zebrastreifen“ waren wohl mit schwarzer Farbe aufgemalt gewesen, denn die Farbe verblasste mit der Zeit bzw. durch das regelmäßige Angreifen. So dass meine römischen Mitbewohner vom „cavallo“, dem Pferd, sprachen, während es für mich immer das Zebra blieb.

In Rom brach es dann ein weiteres Mal entzwei. In unserem Haus dort gibt es keine Werkstatt, wie ich sie woanders zur Verfügung hatte. So trug ich die beiden Teile meines Zebras zum „corniciaio“, einem Geschäft für Bilderrahmen. Tatsächlich leimte mir ein junger Mann das Zebra wieder zusammen. (Später trug ich dorthin auch das Foto des neu gewählten Papstes Leo XIV., um es rahmen zu lassen.) Und ich hatte mir vorgenommen: wenn das Zebra noch einmal auseinander bricht, dann werde ich es wegwerfen. So geschah es vor ein paar Tagen. Nicht ohne ein wenig Wehmut wanderten die beiden Zebrateile zum Restmüll.

Jetzt liegt die Serviette einfach so an ihrem Platz. Die Mitbrüder hier rieten mir zu einer Alternativlösung und erwähnten Serviettentaschen, die vorhanden sein müssten. Die Mutter des einen hatte sie vor Jahren einmal genäht, bzw. bestickt. Sie waren jedoch nicht ganz sicher, ob sich diese Teile noch finden ließen, da sie schon lange keine Verwendung hatten, nicht alle sind Serviettennutzer wie ich. Also machte ich mich auf die Suche und fand – tatsächlich nichts. Einer hatte die Serviettentaschen vermutlich – weil nicht benutzt und deswegen überflüssig – entsorgt. So ist das mit dem Behalten und Wegwerfen...


Dienstag, 31. März 2026

Ostern feiern im pastoralen Raum

Wie geht das, die Karwoche und Ostern in „pastoralen Räumen“ zu feiern? Aus der Theorie kannte ich diese Frage ja schon, jetzt lerne ich auch die Praxis kennen. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass die Zahl der Pfarreien höher ist als die Zahl der Priester, welche in diesen Dienst tun können. Manche vertreten einen streng liturgisch-theologischen Ansatz, laut dem die drei österlichen Tage, Gründonnerstag bis Ostersonntag, eigentlich als ein einziger Tag verstanden und gefeiert werden müssen. Logischerweise folgt dann für einen solchen Ansatz, das auch an ein und demselben Ort zu tun, also alle Feiern von Gründonnerstag bis Ostersonntag in ein und derselben Kirche. Diese ideale Vorstellung trifft nicht selten auf Menschen, welche einen Gottesdienst mitfeiern, der in ihrer heimatlichen Pfarrkirche stattfindet, aber die sich nicht für einen Gottesdienst an einem anderen Ort auf den Weg machen – selbst an Ostern nicht. Demnach könnte man Gründonnerstag in der Pfarrei A, Karfreitag in der Pfarrei B, die Osternacht in der Pfarrei C und Ostersonntag in der Pfarrei D feiern.

Gesetzt den Fall, im pastoralen Raum hat sich die liturgisch-theologische Ideallösung durchgesetzt bzw. ist diese durchgesetzt worden: das sogenannte österliche Triduum findet in der Pfarrei A statt. Vielleicht weil dort die größte Pfarrkirche steht, oder weil der Ort zentral gelegen ist. Was machen die Christenmenschen in den Pfarreien B, C und D? Ob sich die eine oder der andere doch auf den Weg macht? Es gibt wenigstens eine Alternative: Menschen in diesen Gemeinden tun sich zusammen und feiern gemeinsam Gottesdienst in ihrer Pfarrkirche. Z.B. am Gründonnerstag ein Abendmahl, eine Agape, am Karfreitag einen Kreuzweg oder eine eigens gestaltete Kreuzverehrung, eine Lichtfeier in der Osternacht. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich da engagieren! Nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen an meinem ersten pastoralen Wirkungsort in Kärnten. Dort war und ist für viele Menschen die wichtigste Sache an Ostern die „Fleischweih“, also die österliche Speisensegnung. Wobei diese dann tatsächlich als eigenständiger Wortgottesdienst am Karsamstag gefeiert wird (die gesegneten Speisen sollen ja an Ostern zum Verzehr bereit sein!) und nicht als Element der Osterliturgie.

Für den Dienst tuenden Priester im pastoralen Raum stellen sich aber unter Umständen noch andere Fragen, zumal wenn er noch relativ neu dort ansässig ist. Dadurch dass ich zur Sonntagsmesse in verschiedenen Pfarreien unterwegs bin, ist es gar nicht so einfach, die (liturgische) Kultur einer Gemeinde kennen zu lernen. Und ich möchte meine Ideen keinesfalls jemanden aufoktroyieren, sondern die Menschen vor Ort mit ihrer Geschichte und ihrer Praxis respektieren. Kann ich unbefangen und unverkrampft am Ende eines Gottesdienstes in der Fastenzeit dazu einladen, sich miteinander Gedanken über die Gestaltung der österlichen Tage zu machen, ohne dass ich damit Langgedienten und Altbewährtem in die Quere komme? Und was zerbreche ich mir den Kopf, wenn ich im kommenden Jahr vermutlich wieder an einem anderen Ort im Einsatz bin?

Vor einem Monat, im vorletzten Post, habe ich mein Empfinden bei einer Vorabendmesse im Paderborner Dom beschrieben, bei der es zu meiner Überraschung nur eine Lesung gab. Daraufhin gab es verschiedene Reaktionen. Jemand ermutigte mich, es doch in meiner Praxis als Gottesdienstvorsteher einfach zu tun, zwei Lesungen nehmen. Jemand anderer schrieb anonym, er (oder sie) fühle sich „betrogen“, wenn nur eine Lesung genommen werde. Mit beiden Reaktionen ringe ich: zum einen will nicht ich als Vorsteher der Liturgie allein entscheiden, denn ich bin zwar Vorsteher, aber als solcher auch Mitfeiernder. Tatsächlich fände ich es schön, miteinander ins Gespräch zu kommen, für und wider abzuwägen. Und da frage ich mich, ob das noch geht, wenn jemand von vornherein formuliert, er (oder sie) fühle sich „betrogen“. Damit unterstelle ich ja gleich eine böse Absicht, obwohl es gute Gründe für die praktizierte Lösung geben oder gegeben haben mag. Natürlich betrachte ich die Liturgie nicht als „beliebige Verfügungsmasse“, dagegen wehre ich mich! Gerne würde ich im Kontakt mit Menschen in einer Gemeinde erspüren, was sie z.B. über die Fußwaschung am Gründonnerstag denken. Und ob nicht wenigstens an diesem Tag die Möglichkeit bestehen sollte, die Kommunion unter beiderlei Gestalten zu empfangen, den Leib und das Blut Christi. Ich wünschte mir synodale Gespräche mit aufmerksamem und wohlwollendem Zuhören, um auf diese Weise miteinander Liturgie vorzubereiten, neu zu entdecken und tiefer zu feiern – nicht nur an Ostern.

Sonntag, 15. März 2026

Kirche und Gastfreundschaft

Vor ein paar Tagen machte ich einen Morgenspaziergang. Sonst gehe ich wenn, dann eher nachmittags, aber für diesen Tag war Regen angekündigt (der dann tatsächlich kam!) und am Morgen war es noch schön. Ich genoss die Landschaft im besonderen Licht des Morgens und beim Zurückgehen meinte ich in der Ferne einen Kirchturm wahrzunehmen, der mir bis dahin noch nicht aufgefallen war. Nanu! Ich ging weiter, kniff die Augen zusammen und erkannte, dass es sich bei dem vermeintlichen Kirchturm wohl um einen großen Baum handelte, wunderschön spitz zulaufend, wie eben so mancher Kirchturm. Wie sagt mein Freund Alfred: „gut hören tue ich schlecht, aber schlecht sehen tue ich gut!“

Auf jeden Fall saß ich dann mittags in unserer Küche und schaute zum Fenster hinaus, wo draußen im Gelände ein paar verschieden große Bäume stehen. In den Zweigen des einen sah ich zunächst zwei Tauben am turteln, ganz fleißig die Schnäbel aneinander wetzen. Auf der anderen Seite desselben Baumes, ein wenig weiter oben auf einem anderen Zweig ein kleiner Vogel, vielleicht eine Meise, der dort saß. Wahrscheinlich bietet der Baum gleichzeitig noch anderen Vögeln Platz, ganz zu schweigen von den für meine Augen jetzt wirklich nicht sichtbaren kleinen Käfern und Insekten.

Mit dem konkreten belebten Baum vor Augen und dem vermeintlichen „Kirchturm-Baum“ vom Morgen im Hinterkopf begann ich darüber nachzudenken, ob nicht die Kirche so ist oder wenigstens so sein könnte wie der Baum vor dem Fenster, der vielem Getier einen Platz bietet, kleinem und großem.

„Im Gelände“ stehen nicht nur Bäume, sondern auch Gebäude. In den ehemaligen Internatsgebäuden gibt es heute zwei Jugendhäuser, welche jeweils für ca. 50 Menschen Raum bieten. Seit ich jetzt hier am Ort bin, habe ich als Gäste, die ein Wochenende hier verbrachten, zweimal einen Spielmannszug und einmal eine Gruppe „Orientierungssport“ erlebt. Die beiden Spielmannszüge waren fleißig am proben, in einem Raum die Flöten/Bläser, in einem anderen Raum die Trommeln. Und die Sportler begannen schon um 7.00 Uhr morgens mit Frühsport und tagsüber sah ich immer wieder welche auf dem Sportplatz bei Aufwärm- oder sonstigen Übungen. Und ich freue mich über diese Gäste! Diese nutzen eine kostengünstige Unterkunftsmöglichkeit, welche sie hier finden. Und ich erlebe junge, engagierte Menschen, die mir echt Eindruck machen.

Vielleicht können solche Ideen auch dabei helfen, mit der Trauer bezüglich der Umwidmung mancher Kirche umzugehen. Versammlungsräume, Hotels, Restaurants, Buchhandlungen, Kletterhallen, was alles entsteht nicht in ehemaligen Kirchbauten. Ich möchte es mir damit nicht zu leicht machen, aber die ein oder andere neue Nutzung fördert das Leben und die Freude, auch wenn kein Gottesdienst mehr dort gefeiert wird.

Schließlich kam mir noch ein gewisser Jesus in den Sinn, der einmal sagte: „Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen“ (Lk 13,18f.).








Samstag, 28. Februar 2026

Lesen, hören, wundern...

Am Vorabend des ersten Fastensonntags war ich zur Messe im Paderborner Dom. Und hatte dabei ein mich nachdenklich stimmendes Erlebnis: es gab nur eine Lesung! Was vermutlich für alle (?) anderen Mitfeiernden nicht eines Gedankens wert war, hat mich völlig irritiert. Nachdem ich mehr als fünf Jahre in Italien, aber auch in anderen Ländern, zwei Lesungen als „normal“ erlebt hatte, war ich an diesem Abend mehr als verwundert. Im pastoralen Alltag der Gemeinden, in denen ich seit gut zwei Monaten Dienst tue, hatte ich mich ja schon wieder an „nur eine“ Lesung gewöhnt. Aber im Dom! Da hatte ich tatsächlich die „richtige“ Liturgie erwartet.

Nach der „Schock-Phase“ begann die Reflexion. Aha – es geht also auch anders, selbst im Dom! Und ich erinnere mich, einmal gehört zu haben, dass auch der große Bibliker Carlo Maria Martini, nach Jahren als Professor und Direktor des römischen Bibelinstituts später Erzbischof von Mailand, Zweifel an den von der liturgischen Ordnung vorgesehenen zwei Lesungen hatte. Sind das nicht zu viele Worte? Sind nicht viele Mitfeiernde schlicht überfordert? Wir kämpfen doch andererseits mit der Wortlastigkeit in der Liturgie. Martini ist vor inzwischen 14 Jahren verstorben. Während ich seine Texte immer noch mit Freude und Gewinn lese, hat sich die Kultur in den vergangenen Jahren verändert. Bilder spielen eine immer größere Rolle, die Fähigkeit aufmerksamen Zuhörens ist – so wird man sich eingestehen müssen, ohne damit jemanden zu verurteilen – geringer geworden. Also ist wohl die liturgische Lesung mit „nur einer“ Sonntagslesung gerechtfertigt.

Lustigerweise hat mir dieses Reflektieren auf der inhaltlichen, auf der Sachebene aber nicht richtig geholfen in meinem inneren Aufgewühlt-Sein.

Und wenn Du Dich jetzt beim Lesen wunderst, worüber ein Mensch irritiert oder weswegen er aufgewühlt sein kann: genau das ist für mich zum zweiten Teil des Nachdenkens geworden.

Ist das nicht in anderen Bereichen auch so, dass wir aufgrund unserer Erziehung oder Sozialisation oder schlicht einer jahrelangen Praxis an Dinge gewohnt sind, die wir als selbstverständlich voraussetzen, die das für andere aber gar nicht sind?

Ein ganz banales Beispiel mag – obwohl wir uns jetzt Ostern nähern, Entschuldigung – Weihnachten sein. Mit diesem Fest sind für viele Menschen starke Erfahrungen und Emotionen verbunden, die es mit ganz bestimmten Ritualen oder Bräuchen zu tun haben. Es kann irritieren, wenn hier verschiedene Vorstellungen aufeinanderstoßen. Damit ist dann z.B. in einer Familie, deren Mitglieder ja nicht nur in Patchwork-Konstellationen unterschiedliche Geschichten haben, umzugehen bzw. eine neue Feierkultur zu entwickeln.

Einer meiner Mitbrüder hier liebt es, zum gemeinsamen Morgengebet schon mit einer Tasse Kaffee zu kommen und diese während des Betens zu genießen. Nachdem ich schon vor Jahren einmal in Salzburg eine amerikanische Ordensfrau erlebt habe, die ebenfalls morgens mit ihrem Kaffee in der Kapelle saß, kann ich damit umgehen. Zumal ich die beiden Kaffee trinkenden Personen als spirituell sehr tiefgründige Menschen erlebt habe und schätze. Ich stelle mir vor, dass es für manche(n) anderen ungewöhnlich, fremd wäre.

Ob uns eine zunehmende Interkulturalität hilft, den je eigenen Horizont zu weiten? Wir verwenden jetzt „Interkulturalität“ im Gegensatz zum früheren „Multikulturalität“. Bei dieser scheinen die verschiedenen Kulturen nebeneinander her zu existieren. Bei der Interkulturalität dagegen werden die Beziehungen zwischen den Kulturen in den Blick genommen. Ein Beispiel aus dem interreligiösen Bereich wäre der Ramadan-Kalender, den sich wohl Muslime bei den Christen abgeschaut haben, welche einen Adventskalender haben.

Fazit: ich bin froh, dass ich mich im Paderborner Dom nicht innerlich über „liturgische Unkultur in einer Bischofskirche“ mokiert habe, sondern die Empfindungen wahrgenommen, sie aber auch noch einmal weiter reflektiert habe. Wäre vielleicht öfter und auch in anderen Zusammenhängen hilfreich!

Sonntag, 15. Februar 2026

Kochen - und essen

Ich kann nicht kochen. Sr. Teresa sagt, das sei eine Ausrede. „Mit Hilfe des Internet kann jeder kochen“. Vermutlich hat sie Recht! Inzwischen kenne ich auch zumindest zwei Koch-Internetseiten, aber daraus ist noch keine Kochpraxis entstanden. Meine Schwägerin hingegen riet mir zum Kauf eines Thermomix. Damit und mit der zugehörigen App sei das Kochen absolut keine Kunst. Warum kann ich nicht kochen? Ich versuche, mir selbst auf die Schliche zu kommen. Hat es mit einer gewissen Ängstlichkeit und der damit verbundenen mangelnden Experimentierfreude zu tun? Es könnte ja anbrennen oder schlicht nicht schmecken.

Ganz praktisch: ich „musste“ einfach nie kochen. Selbst in dem Jahr in Madrid, wo wir unseren Haushalt selbst bestritten, war ich höchstens für Dienste am Rand eingeteilt: Tisch decken, Brot beim Chinesen in der Nähe holen, abwaschen...

Als Student in Mainz bin ich selbst am vorlesungsfreien Samstag noch zur Uni-Mensa geradelt. Wobei, zu meiner Ehrenrettung sei es gesagt: am Sonntag bemühte ich mich dann tatsächlich darum, mir etwas Warmes zuzubereiten. Was im Normalfall auch gelang. In meinem Mini-Studentenzimmer kam dazu eine elektrische Kochplatte auf den Tisch, der sonst Schreibtisch war. Also nicht Mikrowelle, nein! In Mainz habe ich sogar einmal gebacken. Nicht allein, nein. In unserem Polnisch-Kurs bekamen wir die Aufgabe, ein polnisches Rezept auszuprobieren. Gemeinsam mit anderen war ich für den Mohnkuchen zuständig. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns mit der Honigmenge vertan. Was sich negativ auf die Konsistenz des Kuchens, nicht auf seinen Geschmack auswirkte.

Aktuell lebe ich mit zwei Mitbrüdern zusammen, die beide kochen können. Wir führen unseren Haushalt selbst. Josef etwa hat einen grünen Daumen und kümmert sich um Zimmerpflanzen an verschiedenen Stellen.

Interessant für mich ist, wie das Thema Kochen und Essen das Leben bzw. die Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen. „Was essen wir denn morgen?“ ist bei uns nicht die existentielle Frage wie bei Menschen, denen das Nötigste fehlt und die Hunger leiden. Bei uns geht es darum, was eingekauft werden muss. Mein Respekt gilt allen, welche sich in Familien und Lebensgemeinschaften Gedanken zu abwechslungsreicher Ernährung machen, Tag um Tag, Woche um Woche... Wenn früher Sr. Emma halb ernst-, halb scherzhaft fragte: „sag mir, was soll ich denn kochen?“, dann kannte sie schon meine wenig hilfreiche Antwort: „etwas Gutes und nicht zu wenig!“

Noch etwas, das mit der Thematik Kochen und Essen verbunden ist: um die Vorlieben der anderen zu wissen. Liebe geht eben tatsächlich auch durch den Magen. Obwohl ich nicht heikel bin, wussten Schwestern an verschiedenen Stellen meine bevorzugten Lieblingsgerichte. Manchmal gab es eines davon, wenn ich nach einer Zeit der Abwesenheit auf Besuch kam. Am jetzigen Ort weiß ich zumindest, dass Josef gerne Bananen hat, also kaufe ich regelmäßig welche ein. Wenn möglich fair gehandelte. Fisch aus der Dose mag er auch gern, auch schon zum Frühstück. Also achte ich darauf, dass immer etwas im Vorrat ist.

Fast zwei Jahre war ich als Pfarrer in Salzburg mit einem indischen Mitbruder zusammen. Yesuraj ist ein fantastischer Koch. Bald nach seiner Ankunft zogen wir gemeinsam los, um einen Reiskocher zu kaufen. Ich hatte ja gar nicht gewusst, dass es so ein Gerät gibt. Und natürlich hatte J

Yesuraj auch bald das ein oder andere Asia-Geschäft entdeckt, um an seine Gewürze und Zutaten zu kommen. Es war schon etwas Besonderes, auch einmal jemand zu einem indischen Abendessen im Pfarrhaus einladen zu können.

Wenn mir also einerseits die Fähigkeit fehlt, anderen durch Kochkünste eine Freude zu bereiten, so erinnere ich mich an einen Tiroler Pfarrer, der vor Freude strahlend sagte: „was bin ich froh, dass ich nicht singen kann. So bin ich immer auf Hilfe angewiesen – und das ist gut so. Besser, als wenn ich alles allein machen würde“. Jetzt lassen sich Singen und Kochen nicht unbedingt vergleichen, aber ein wenig tröstet mich die Argumentation doch.

Samstag, 31. Januar 2026

KI - und wie?

Die 14tägig stattfindende Sitzung unseres Pastoralteams beginnt mit einem Gebet. Gestern war Simon dran und las von seinem Handy ein Gebet in Reimform ab, welches sowohl das Wetter (Schnee und Frühlingssehnsucht), als auch den Anlass, eben unsere Sitzung, aufgriff. Mir gefiel der Text, ich fand ihn sympathisch. „Ist das von Dir?“, fragte jemand Simon. „Nein“, lachte er. Vermutlich hatten wir ein KI-generiertes Gebet gehört bzw. gebetet. Die beiden vorigen Male waren jeweils andere Personen mit der Sitzungsleitung und dem damit verbundenen Einstiegsgebet an der Reihe. Beide um einige Jahre älter als Simon. Und so gab es einmal das „Gebet einer älteren Ordensfrau“, das manchmal Teresa von Avila zugeschrieben wird, bzw. einen aus einem Jahresbuch bzw. Kalender vorgelesenen neueren Segen, passend zum Neuen Jahr. Die Nutzung von KI ist wohl, wenn auch nicht nur, eine Generationenfrage. Es geht mir noch nach, dieses von künstlicher Intelligenz erzeugte Gebet, welches ich da gebetet habe. Und ich bin gespannt, halb neugierig, halb besorgt, auf die weiteren Entwicklungen.

Neulich sah ich mir einen Vortrag der Schriftstellerin Felicitas Hoppe an, in welchem sie zweimal von „unserer kleinen Schwester KI“ sprach. Das klingt liebevoll, vertraut, und – im wörtlichen Sinn – familiär.

An dem Tag, an welchem wir nachmittags zur Sitzung des Pastoralteams zusammen kamen, nahm ich vormittags an einem Webinar mit dem Titel: „AI and our Intimate Self: Reading Chinese Experiences in a Cross-Cultural Discourse“ (KI und unser intimes Selbst: Chinesische Erfahrungen in einem interkulturellen Diskurs lesen) teil, sehr spannend. Präsentatorin, Moderatorin und drei Referentinnen, alles in Frauenhand.

Besonders beeindruckend eine junge Professorin in Hongkong, welche viel zum Konfuzianismus forscht und schreibt, Bella Pei Wang. Von ihr gibt es z.B. einen Artikel „Sex Robots as Perfect Confucian Wives?“(Sexroboter als perfekte konfuzianische Ehefrauen?) aus dem Jahr 2024. In diesem wehrt sie sich gegen die von einem anderen Wissenschaftler vertretene Theorie, nach der ein Sex-Roboter möglicherweise das Ideal einer „gehorsamen und stets verfügbaren Frau“ verkörpere. Sie hält diese Ideen für frauenfeindlich und nicht mit dem Konfzianismus vereinbar, so wie sie ihn versteht. Um welches Frauenbild und um welche Vorstellung von Sexualität geht es?

Eingangs hatte die Moderatorin der Veranstaltung von einem ihrer Studenten erzählt, der ganz geknickt war, nachdem die Beziehung zu dem Chatbot, in den er verliebt war, bzw. mit dem er „eine Beziehung hatte“, auseinander gegangen war. Tatsächlich soll es ja wegen solcher Vorkommnisse bereits den ein oder anderen Selbstmord gegeben haben.

Bella Wang erzählte, dass es gemäß dem Konfuzianismus wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung sei, auch einmal alleine sein zu können. Ohne Zeiten des Alleinseins keine Entwicklung. Hier geschieht nun etwas Seltsames. Die technischen Möglichkeiten, KI und natürlich vor allem soziale Netzwerke, verhindern einerseits das Allein-Sein. Weil sie dazu verleiten, ständig online zu sein, Informationen ein- und aufzusaugen. Und andererseits geraten genau dadurch viele in eine geradezu krank machende Isolation hinein.

Die Moderatorin des Webinars wagte es, scherzhaft vom „Roboter-Sex“ ausgehend, auf eine typische Restaurant-Szene hinzuweisen, wo lauter Leute gemeinsam an Tischen sitzen, welche alle auf ihre Handys blicken und darauf konzentriert sind. Wie also sieht unsere Beziehungsqualität und Intimität aus?

Sehr wohltuend darum eine andere der Referentinnen, S. M. Bhagya P. Samarakoon,

als Forscherin im technischen Bereich in Singapur tätig. Sie zeigte Fotos von humanoiden Robotern und erklärte gleichzeitig deutlich, dass es bei der künstlichen Intelligenz eben letztlich um Software geht, Technik.

Es ist, es bleibt und es wird spannend. Ich hoffe, dass wenn Maschinen scheinbar immer mehr dem Menschen ähnlich werden, nicht die Menschen immer mehr Maschinen ähnlich werden...

Donnerstag, 15. Januar 2026

Sternsinger und Frömmigkeitsformen

Am 6. Januar erlebten wir gemeinsam den Auftritt der Sternsinger. Drei meiner Schätzung nach 12-14jährige Mädchen, als Könige verkleidet, mit ihrer Begleiterin. Ich fand, sie hatten ihre Sache gut gemacht. Ein Mitbruder empfand das völlig anders: „Ich bin entsetzt, ich bin entrüstet. Die haben das doch gar nicht ernst genommen!“ Zugegebenermaßen war ich völlig irritiert über diese Wahrnehmung und begann, die Mädchen-Könige zu verteidigen. Keine Chance! Deswegen gab ich auf. 

Diese Begebenheit ging mir nach. Warum hat der Mitbruder so reagiert? Welche Erlebnisse und Erfahrungen lassen ihn zu einer solchen Einschätzung kommen? Was steckt dahinter? Mir war außerdem klar geworden, dass die Wahrnehmung mit Gefühlen zu tun hatte, das war nicht nur rational. Und Gefühle sind stark und kaum rational ansprechbar. 

Wenn es um den Glauben geht, dann ist genau dies zu bedenken. So sehr ich mich um eine intellektuell redliche und verantwortete Verkündigung bemühe, ich habe jeweils Menschen mit Gefühlen und von ebendiesen gesättigten Erfahrungen vor mir. Mit großer Inbrunst etwa singen Menschen Lieder, deren Text bzw. Inhalt wenigstens in Frage zu stellen ist. Manchmal kann ich mich eines Lächelns nicht erwehren! So etwas geschieht durchaus bei Menschen, die im Berufsalltag ihre Frau und ihren Mann stehen. 

Nach einigen Jahren eher administrativer Arbeit in der Zentrale unserer Gemeinschaft bin ich jetzt in den pastoralen Alltag zurückgekehrt und versuche, mich zu orientieren.

Wie gehen wir um mit unserer verschiedenen religiösen Prägung, anderen Schwerpunkten in unserer Frömmigkeitspraxis? Da gibt es die einen, die unbedingt das bekannte Bild des barmherzigen Jesus von Sr. Faustyna in der Kirche aufstellen wollen. Und die anderen, die sich genau dies eher nicht vorstellen können.

Oder die weiterhin schwelenden Fragen um den Stellenwert der Eucharistiefeier. Welches Gewicht hat sie im Gegensatz zur sonntäglichen Gemeindeversammlung in einem Wortgottesdienst? Ostern muss geplant werden und die Zahl der „vorhandenen Priester“ lässt nicht zu, in jeder Gemeinde alle drei österlichen Tage zu feiern. Wie damit umgehen? Die drei Tage an einem Ort, an verschiedenen Orten? Welchen Stellenwert hat die Liturgie/Theologie, welchen die konkrete Gemeindewirklichkeit?

Da kann man und frau sich zum einen die Köpfe heiß reden, und außerdem spielen wieder die Gefühle hinein.

Als einer, der momentan keine Letzt- bzw. Hauptverantwortung hat, kann ich einigermaßen gelassen sein. Wobei ich merke, dass mir unser Miteinander wichtiger ist als die ein oder andere Entscheidung (, wie ich sie gerne hätte). Was nicht heißt, dass ich nicht meine Meinung einbringen möchte und werde.

Und ich hoffe, dass uns als Kirche die „synodale Praxis“ dabei hilft: nicht unliebsame oder schwierige Themen auszuklammern, aber auf jeden Fall miteinander im Gespräch zu bleiben und uns nicht gegenseitig den Glauben abzusprechen, auch wenn wir ganz verschiedene Ansätze haben und Schwerpunkte setzen.

Der Ansatz muss sich zugegebenermaßen noch bewähren und in der Praxis als tauglich erweisen. Fertig werde ich und werden wir damit sowieso nie. Und das ist schön und gut so!