Dienstag, 30. Juni 2026

CPPS aktuell - Juni 2026

Heute möchte ich mit Dir/Ihnen zwei Nachrichten aus der Welt der Missionare vom Kostbaren Blut teilen, die mich in letzter Zeit erreicht haben und mich freuen. In der Nachricht aus Kolumbien wird P. Oscar Quiroz erwähnt, dessen Priesterweihe in Bogotá ich mitfeiern durfte. Die zweite Mitteilung hat mit der Reise von Papst Leo nach Spanien in diesem Monat und der Pfarrei Orcasitas in Madrid zu tun, wo ich ein knappes Jahr mit den spanischen Mitbrüdern leben durfte. Während dieser Zeit wohnte mit uns auch ein junger Mann aus Senegal, der damals ohne gültigen Aufenthaltsstatus war.

Aus Kolumbien:

Auf unserer (Lateinamerikanischen, A.S.) Provinzversammlung im Februar wurde einstimmig beschlossen, dass wir die Leitung der Pfarrei San Carlos Borromeo in der Erzdiözese Villavicencio übernehmen werden. Sie liegt in der Gemeinde San Carlos Guaroa, in der kolumbianischen Ebene und fünf Stunden von Bogotá entfernt. Das Wetter unterscheidet sich von dem in Bogotá; die Temperaturen liegen zwischen 80 und 100 Grad (in Celsius: 27-38, A.S.) und es gibt eine lange Regenzeit.
In der Kongregation gibt es eine Redensart, wonach es Teil unseres Charismas ist, dorthin zu gehen, wo andere nicht hingehen wollen. Dies ist nun für uns Wirklichkeit geworden. Niemand in der Erzdiözese wollte die Leitung der Pfarrei übernehmen, und das aus gutem Grund. Der ehemalige Pfarrer war in einige Skandale verwickelt; bevor er die Pfarrei verließ, ließ er das Pfarrhaus abreißen und verkaufte das Pfarr-Auto, zu dessen Anschaffung die Gemeindemitglieder beigetragen hatten. Aus diesem Grund begannen die Menschen, sich von der Pfarrei zu distanzieren, und wurden gleichgültig.

Die Patres Oscar Quiroz und Joseph Deardorff übernahmen am 22. März im Rahmen einer Feier, an der der örtliche Bischof, unser Provinzial sowie weitere Mitglieder des Distrikts teilnahmen, offiziell die Leitung der Pfarrei. Unsere Anwesenheit hat unter den Menschen neue Hoffnung geweckt, und während der Karwoche war ihre Beteiligung beeindruckend. Da in der Kirche nicht genügend Platz für alle war, feierten wir das Triduum draußen auf dem Platz. Es gibt viel zu tun, aber wir haben die Freude zu wissen, dass dies der Ort ist, an dem der Herr uns haben will. Betet für uns, während wir unseren Weg fortsetzen. (https://www.preciousbloodus.org/blog/a-dream-come-true-in-colombia)

Aus Spanien:

Vor einigen Tagen sprach eine Migrantenfamilie aus Peru (Jorge, Liliana und Dhana) in Madrid vor Papst Leo. Sie berichteten, wie die katholische Gemeinde sie mit offenen Armen aufgenommen habe, insbesondere – so Jorge – die CPPS-Gemeinde der Pfarrei der Missionare vom Kostbaren Blut in Orcasitas, Madrid. Die CPPS-Familie ist von diesem eindrucksvollen Zeugnis tief bewegt und dankt dem Herrn für die Anwesenheit unserer Brüder und Schwestern unter uns.

Klicken Sie auf den Link, um einen Ausschnitt der Rede auf Spanisch anzusehen:
https://www.facebook.com/watch/?v=2019182638673832

(https://www.cppsmissionaries.org/peruvian-migrant-family-tells-pope-leo-how-they-were-welcomed-by-the-cpps-community-of-orcasitas-madrid/)

Voranzeige:

  • Sternwallfahrt nach Maria Baumgärtle, „Gemeinsam im Glauben unterwegs“, 4. Juli 2026

  • Doppeljubiläum 70 Jahre Pfarrkirche Salzburg-Parsch und 60 Jahre Erhebung zur erzbischöflichen Stadtpfarrkirche zum Kostbaren Blut von 3. bis 5. Juli in Salzburg-Parsch


Montag, 15. Juni 2026

Bücher und Menschen

Ich war unterwegs und hatte keinen Lesestoff dabei – ein Zustand, den ich kaum ertrage. Dann lag da im Gastzimmer ein Buch, welches ich vor einiger Zeit einmal gelesen hatte. Ehrlich gesagt hatte ich mich „durchgekämpft“ und vieles nicht verstanden. So dass ich enttäuscht war, das Buch erworben zu haben, mich vom Titel bzw. einem im Internet gefundenen Beitrag des Autors zum Kauf des Büchleins verführt haben zu lassen.

Aber jetzt hatte ich nichts anderes greifbar und wollte lesen! Also griff ich – natürlich mit etwas Überwindung – zu dem Buch, welches mich bei der ersten Lektüre enttäuscht zurück gelassen hatte. Und – war völlig überrascht, weil mich die Gedanken des Autors ansprachen, ich einiges tiefgründig und inspirierend fand. Ja gibt es denn so etwas? Was ist passiert? Bin ich bei der erneuten Lektüre aufmerksamer, wacher? Hatte das erstmalige Lesen den Boden dafür bereitet, dass es beim zweiten Anlauf klappt? Komisch, rätselhaft... Ich gebe zu, es gibt Passagen im Buch, die sich mir weiterhin nicht erschließen. Aber die positiven Empfindungen lassen mich dran bleiben, weiter lesen.

Als ich das Buch aus der Hand lege, gerate ich ins Nachdenken. Wie ist das mit meinen Kontakten oder Beziehungen zu anderen Menschen? Gibt es da Ähnlichkeiten zum Lesen eines Buches? Dass ich bei der einen oder dem anderen froh bin, wenn es zu keinem „Zweit-Kontakt“ kommt und wir uns nicht mehr über den Weg laufen? Und wenn so etwas auch nur an der Tagesform liegen sollte? Würde sich nicht das ein oder andere Mal ein erneuter Anlauf lohnen? Abgesehen davon, dass ich dem/r anderen ohnehin nicht gerecht werde, wenn ich ihn/sie nach einer ersten Begegnung „schubladisiert“ habe. Wer weiß, welche Entdeckungen sich in weiteren Begegnungen machen lassen oder ließen. Also auch hier: dran bleiben, nicht locker lassen, nicht aufgeben...

Vielleicht gibt es ja noch ganz „neue Seiten“ am anderen zu entdecken? Und welche Schätze mögen da noch unentdeckt in meinem Bücherregal stehen? Eben auch im übertragenen Sinn.

Etwas von dem, was mich in unserer Gemeinschaft der Missionare vom Kostbaren Blut am meisten beeindruckt, ist das „Precious Blood Ministry of Reconciliation“ (PBMR) in Chicago. In einer durch Bandenkriege und Gewalt gekennzeichneten Gegend haben die Missionare einen Raum eröffnet, in dem sich Täter und Opfer begegnen. Da kann es einen Gesprächskreis geben von Müttern, die ihre Kinder durch Schüsse verloren haben, mit den Müttern der Todesschüsse. Junge Leute, die vor allem Verachtung erfahren und ausgeschlossen werden, finden einen Ort, an dem sie angenommen und akzeptiert werden, sich öffnen können.

An unserer Schule hier war neulich etwas vorgefallen, eine Schülerin hatte etwas wirklich Übles „ausgefressen“ und als ich über die Sache nachdachte, war mir aufgefallen, dass ich sie innerlich bereits verurteilt hatte. Nachdem ich aber auch Geschichten aus Chicago kenne, revidierte ich meine Meinung. Konkret bin ich der Schülerin gar nie begegnet. Und doch merke ich, dass sich in mir etwas verändert, gewandelt hatte.