Freitag, 15. Mai 2026

P. Jakob Förg MSC

Mit großer Dankbarkeit denke ich an P. Jakob Förg MSC, der am 9. Mai mit 85 Jahren verstorben ist. Wenn ich mich recht erinnere, dann haben wir uns während meines Studiums in Salzburg kennengelernt und sind seitdem immer in Kontakt geblieben.

Sicher habe ich ihn nicht gut genug bekannt, um ein umfassendes Lebensbild von ihm zu zeichnen. Von dem wenigen, was ich weiß und erlebt habe, sind es drei miteinander verbundene Stränge, welche ich unterstreichen möchte.

Wenn ich an Jakob denke, dann sehe ich ihn Fahrrad fahrend in Salzburg unterwegs. Diese für ihn typische Fortbewegungsart ist für mich ein Ausdruck seiner Einfachheit und Bescheidenheit. Er war absolut nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellte. Und schien mir immer sehr aufmerksam für sein jeweiliges Gegenüber.

Während meiner Zeit als Pfarrer in Salzburg-Parsch hatte ich ihn – und hier komme ich bereits zum zweiten Strang – einmal zu einem Abend in die Gemeinde eingeladen, um über die verfolgte Kirche zu sprechen. Er kam natürlich mit dem Fahrrad! Und erzählte sehr beeindruckend. Bis heute erinnere ich mich an eine Fahrradgeschichte an diesem Abend. Jakob berichtete von einer „Missionsstrategie“ chinesischer Christen, welche mit dem Fahrrad unterwegs sind und bei einer echten oder vorgetäuschten Fahrradpanne die Gelegenheit nutzen, um Hilfe zu bitten und den jeweils Helfenden von Jesus zu erzählen. Kreativ!

Jakob setzte sich mit großem Engagement für die verfolgten Christen ein und für solche, die in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion neue Freiheit gewonnen hatten. Kein Wunder, dass auch das Hilfswerk „Christen in Not“ früher „Christian Solidarity International CSI“ an ihn erinnert (https://christeninnot.com/cin-trauert-um-p-jakob-foerg/). Oft reiste Jakob nach Litauen und auch in andere Länder im Osten, pflegte Kontakte und unterstützte. Hin und wieder schickte er mir einen Jahresbericht seiner diesbezüglichen Aktivitäten und ich war jeweils tief beeindruckt davon. Vermutlich ist er für den Transport von Tonnen von Literatur in die Länder jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs verantwortlich. Religiöse Kinderliteratur hat er übersetzen und drucken lassen. „Die kleine Eule“ von Lene Mayer-Skumanz ist sicher durch Jakob ganz vielen Menschen in verschiedenen Ländern bekannt geworden. Manchmal konnte Jakob auch theologische Literatur aus Nachlässen an Bibliotheken in Priesterseminaren oder anderen Bildungseinrichtungen in Ländern des Ostens vermitteln.

Und er war nicht nur für den Transport gedruckter Worte, sondern auch für denjenigen gedruckter Musik im Einsatz. Viele Musikliteratur fand durch ihn ihren Weg über Grenzen. Wie konnte er sich freuen, wenn ihm ein Musikalienverlag Notenmaterial zu diesem Zweck überlassen hatte. Natürlich hatte diese besondere Form des Einsatzes mit Jakobs persönlichen Fähigkeiten als Kirchenmusiker zu tun, er spielte Orgel und konnte auch einen Chor leiten. Ich erinnere mich an seine Freude darüber, wenn es ihm gelungen war, Stipendienplätze für junge Kirchenmusiker/innen aus Ländern des Ostens bei kirchenmusikalischen Werkwochen in Salzburg zu bekommen. Manchmal traft er dann die Teilnehmenden solcher Kurse bei seinen Reisen wieder.

Sein Engagement für Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion war bisweilen beinahe kämpferisch. Ein paar Mal sandte er mir die Kopie eines (Beschwerde-)Briefes, den er an Präsident Putin geschrieben hatte. Jakob war auch im Kontakt mit Tatiana Goritschewa, deren Buch „Von Gott zu reden ist gefährlich“ ich als Student gelesen hatte. Hin und wieder sandte er mir die Kopie eines Briefes, den Tatiana ihm geschrieben hatte und er teilte mir auch noch ihren Tod im vergangenen Jahr mit.

Hinter allem Engagement Jakobs mache ich eine geistliche Tiefe aus, die ihn wohl antrieb und zum Einsatz befähigte. Im Normalfall hatten seine Mails an mich immer mehrere Anhänge. Er sandte mir Manuskripte von Morgenandachten des Deutschlandfunks oder von Predigten des Linzer Sozialreferats, die ihm gefallen hatten. Und zum Namenstag bekam ich mehrmals den Text eines Aloisius-Liedes von ihm gesandt.

Mit großer Dankbarkeit gehe ich davon aus, dass Jakob mit festlicher Musik und Gesang in verschiedenen Sprachen empfangen werden wird!

Donnerstag, 30. April 2026

Weltgebetstag um geistliche Berufe

26. April 2026. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, zum 63. Mal, 1964 war der erste. Ich musste rechnen, weil ich ja auch 1964 zur Welt kam. Aber im Jahr meines ersten Geburtstags wurde der Weltgebetstag eben schon zum zweiten Mal begangen. So sind wir gleich alt, aber der Weltgebetstag ist mir ein Jahr voraus.

Schon vor Jahren kursierten Witze über Bischöfe aus Indien oder Afrika, die sich bei ihren deutschen Kollegen bedankten: „toll, dass Ihr um geistliche Berufungen betet, das Gebet kommt bei uns an!“ Tatsächlich: während hierzulande Priesterseminare geschlossen bzw. zusammengelegt werden müssen und die theologischen Fakultäten Überlebensstrategien entwerfen, werden in einigen Ländern Afrikas neue Priesterseminare eröffnet. Mit dem „Import von Priestern“ ist das so eine Sache. Von einer deutschen Diözese hörte ich, es habe sich selbst als Regel gegeben, dass nicht mehr als ein Drittel der in der Diözese arbeitenden Priester aus dem Ausland sein sollen. Eine österreichische Diözese dagegen hat sich entschlossen, keine ausländischen Priester mehr anzustellen. Die Missionare vom Kostbaren Blut erinnern dieses Jahr an den Beginn ihrer Präsenz im afrikanischen Tansania vor 60 Jahren. Drei italienische Missionare begannen seinerzeit. Heute gehören zur tansanischen Provinz gut 80 einheimische Missionare und in Tansania arbeiten noch zwei italienische Missionare. In Rom bin ich im vergangenen Jahr noch einem jungen afrikanischen Missionar begegnet, der zur Gemeinschaft der Afrika-Missionare (früher wurden sie „Weiße Väter“ genannt) gehört. Er erzählte mir, dass er Vorbehalte seiner europäischen Mitbrüder nicht verstehe, welche sich gegen den Einsatz von Afrikanern in Europa aussprechen. „Die sind doch früher auch zu uns gekommen!“ Es gilt, genau hinzuschauen. In einer immer mehr zusammenwachsenden Welt können weltkirchliche Erfahrungen ein großes Geschenk sein und gegen kirchliche Enge helfen. Aber so etwas muss dann auch proaktiv angegangen werden, nicht dass Leute von außerhalb engagiert werden, um ein bestehendes, evtl. ja sogar siechendes, System zu erhalten.

Ich werde das Foto von den runden Tischen in der Synodenaula nicht los, an denen Kardinäle und „Laien“, Frauen und Männer gemeinsam saßen. Welch ein Bild von Kirche! Eben nicht die einen vorne und die anderen hinten. Die einen am reden, die anderen am zuhören. Die einen am lehren, die anderen am lernen. Wobei es ja nicht um eine primitive Gleichmacherei geht!

Vor kurzem zeigte uns ein Pastoralpsychologe eine Graphik, bei der ganz oben „Gott“ stand, darunter waren die Laien und ganz unten auf der Seite die Seelsorger/Priester. Als ich ihn fragte, ob nicht die Priester zwischen den gläubigen Laien stehen sollten, blendete er eine weitere Folie ein, wo genau das zu sehen war. Mit seiner ersten Folie hatte er, so erklärte er mir, ausdrücken wollen, dass die hauptamtlichen Seelsorger den Menschen dienen sollen. Die Seelsorger stehen nicht zwischen Gott und den Menschen, sondern eben unter ihnen.

Gebet um geistliche Berufe am Weltgebetstag ist also ein Gebet, welches „eigennützig“ sein soll und gleichzeitig in die Pflicht nimmt. Wir beten um Menschen, die uns in unserem Glauben helfen, begleiten, mit uns auf dem Weg sind. Weil wir im Glauben unterwegs sein und wachsen wollen!

Vor diesem bzw. auf diesem Hintergrund wird es dann auch um die Fragen von Geld und Macht gehen. Was ist „ehrenamtlich“, was bezahlte Arbeit? Und wer entscheidet auf den verschiedenen Ebenen? Gut, dass da synodale Lernprozesse am Laufen sind.

Immer mehr wird auch über die Umnutzung bzw. Profanierung von Kirchbauten gesprochen bzw. geschrieben. Interessant finde ich die Ideen einer Weiternutzung von Kirchen als Kulturorte bzw. als gemeinschaftliche Treffpunkte ohne Konsumzwang. Gleichzeitig frage ich mich, wie viele Kirchbauten überlebensfähig sind ohne die „lebendigen Steine“.