Donnerstag, 15. Oktober 2026

Es gibt nur einen Gott

Im Vatikan-Newsletter vom 7. September lese ich Auszüge eines Interviews mit dem Apostolischen Vikar von Beirut, Bischof César Essayan. Unter anderem sagt er da:

„Denken Sie sich nur, dass es einen schiitischen Religionsführer gibt, der alle Ansprachen des Papstes zusammengetragen, analysiert und in einem Buch zusammengefasst hat. Das macht die außergewöhnliche Wirkung deutlich, die unser Papst Leo durch seine Anwesenheit und durch diesen Besuch im Libanon entfaltet hat.“ Es geht um die Ansprachen von Papst Leo XIV. während seiner ersten Auslandsreise (Ende 2025), die ihn auch in den Libanon führte.

Tags zuvor hatte ich auf einem anderen Portal folgende Notiz gelesen: „Unter dem Titel `Propheten und Befreiung´ ist nun ein außergewöhnliches Buch im Tyrolia Verlag erschienen: Erstmals wurden Erlebnisse und Gedanken zu Buddhismus, Christentum und Islam aus der Sicht eines chinesischen Muslims in deutscher Sprache veröffentlicht. Übersetzt hat das Werk des prominenten chinesischen Schriftstellers und Intellektuellen Zhang Chengzhi der Steyler Missionar Leopold Leeb SVD.“

Da gibt also ein Muslim ein Buch mit Papstansprachen heraus, während ein Katholik das Buch eines Muslims übersetzt. Ich freue mich darüber und bin dankbar!

Es erinnert mich an einen Jesuiten, der erzählte, wie sein Glaube in einem muslimischen Umfeld gestärkt wurde, weil er die Treue im Glauben der Muslime wahrnahm, die sich vom Gebetsruf tatsächlich riefen lassen und beteten.

Oder ich denke an die buddhistischen Mönche, welche mehrere Wochen am Spiritualitätszentrum Claritas in Loppiano bei Florenz gemeinsam mit katholischen Ordensmännern lebten und dadurch ihren Glauben und ihre Berufung vertieften.

Vielleicht sollte man in diesem franziskanischen Jubiläumsjahr auch an die friedliche und respektvolle Begegnung von Franziskus mit Sultan al-Kamil im Jahr 1219 in Damiette erinnern. Beim Schulanfangsgottesdienst des Gymnasiums St. Kaspar in Neuenheerse sangen Schülerinnen und Schüler einer zehnten Klasse das Schlusslied, ein Segenslied. Unter den Singenden nahm ich auch ein muslimisches Mädchen mit Kopftuch wahr.

Wer würde schließlich nicht an die Weltgebetstreffen der Religionsführer denken? Erstmals hatte Papst Johannes Paul II. dazu vor gerade 40 Jahren 1986 nach Assisi eingeladen. Seine Nachfolger führten diese Tradition weiter, unterstützt von Mitgliedern verschiedener Bewegungen in der Kirche.

Denjenigen, die all das mit Skepsis oder Misstrauen betrachten, kann womöglich gerade Papst Benedikt/Josef Ratzinger helfen. In seiner Weihnachtsansprache an die römische Kurie am 21.12.2012, kurz bevor er seinen Rücktritt bekannt gab, ging Papst Benedikt unter anderem auch auf den interreligiösen Dialog ein. „Gewiß, wir haben die Wahrheit nicht, aber sie hat uns“, so erinnerte er die Zuhörenden.

An diese Papstansprache erinnert hat vor kurzem Roberto Catalano, dessen Blog (https://whydontwedialogue.blogspot.com) ich immer wieder einmal besuche. Mit gefällt nicht nur der Inhalt, sondern auch der Stil, mit dem Catalano schreibt (Englisch und Italienisch). In einem Post meines Blogs vom September 2019 habe ich von einer Begegnung mit dem Autor anlässlich des Treffens „Religions for peace“ in Lindau berichtet.

Unvergesslich ist mir auch die Szene, wie die Katholikin Chiara Lubich 1997 in einer großen New Yorker Moschee zu vielen Muslimen sprach und dabei ein wenig erschreckt schien, als es plötzlich laut wurde. Wie sich herausstellte, hatten die Anwesenden lediglich ihre Zustimmung zum Gehörten zum Ausdruck bringen wollen...

Noch viele andere Gestalten der Geschichte ließen sich hier anführen, etwa der als Kirchenlehrer anerkannte Thomas von Aquin. Er näherte sich dem griechischen Philosophen Aristoteles über die Werke der arabischen Philosophen Averroes und Avicenna an.



Mittwoch, 30. September 2026

Heimat Deutschland

Seit meinem letzten Erste-Hilfe-Kurs sind mindestens zehn Jahre vergangen. Ich erinnere mich noch an den Ort, aber nicht mehr an das Jahr, in dem ich ihn absolviert habe. Höchste Zeit zur Auffrischung. Und es gibt eine gute Gelegenheit in der Aula unserer Schule, von meinem Zuhause in einer Minute zu erreichen, ohne das Haus zu verlassen. Also melde ich mich an und bin einer von 16 Teilnehmenden.

In der Vorstellrunde fällt mir der spanische Akzent eines jungen Teilnehmers auf und so spreche ich ihn in der Pause an: „Woher kommst du?“ „Aus Mexiko“. Eduardo hat bereits dort in der Krankenpflege gearbeitet und auf Facebook entdeckt, dass in Deutschland Krankenpfleger gesucht werden. Also bewarb er sich, etwas abenteuerlustig, und war verwundert, wie schnell dann alles ging. Seit zwei Jahren ist er in Deutschland und bereichert uns beim Erste-Hilfe-Kurs mit seinem Fachwissen.

Bei einer Gruppenarbeit komme ich dann mit Andrej zusammen und frage auch ihn nach seiner Herkunft. „Ich bin aus Kasachstan, seit 1993 in Deutschland“. Sympathisch ist er mit seiner Baseballmütze. Noch ein weiterer Teilnehmer lässt mich aufgrund seines Vornamens und seiner Sprachmelodie auf eine „östliche Herkunft“ tippen, aber leider komme ich an dem Tag nicht mit ihm ins Gespräch. Er braucht den Erste-Hilfe-Kurs, weil er Berufskraftfahrer werden möchte. Und er bringt sich an diesem Tag engagiert ein, wie eigentlich alle Teilnehmenden.

Nach dem Mittagessen (ich war ja privilegiert und konnte kurz zu meinen Mitbrüdern gehen) bediente ich mich in der Aula am bereitgestellten Kaffee. „Ah, Deine Tasse ist Bunzlauer Porzellan“ sagt meine Sitznachbarin Elisabeth. Tatsächlich, daran hatte ich gar nicht gedacht, als ich die blaue Tasse mit großen weißen Punkten wählte. Zur weiteren Vergewisserung hob ich sie noch vorsichtig an, um auf dem Tassenboden lesen zu können. Unnötig, denn die Kursleiterin Brigitte hatte unser Gespräch verfolgt und Elisabeths Vermutung bestätigt. „Stimmt“, sagt sie. Vermutlich hatte Brigitte Kaffee und Tassen mitgebracht. Und das Gespräch geht weiter. Elisabeths Vater stammte aus der Gegend von Breslau und sie war schon öfter dort und auf dem Weg eben auch in Bunzlau, „wo es sich auch gut einkaufen lässt“. Später am Tag, als die auszufüllenden Auswertungsbögen herumgehen, bekomme ich mit, wie sie sich dafür einsetzt, ihren Kugelschreiber wieder zu bekommen: „der ist aus Schlesien!“. Als ich ihn in die Hand nehme, kann ich die polnische Aufschrift lesen. Elisabeth scheint daran zu hängen, wer weiß, welche Erinnerungen damit verbunden sind. Brigitte sagt, sie möchte gerne einmal einen Töpfer-Workshop in Bunzlau mitmachen. Sie stammt aus Oppeln. Ihre Mutter war es leid, Anfang der 70er Jahre ihre Familie nicht richtig versorgen zu können, das System mit Lebensmittelkarten funktionierte einfach nicht. Schlange stehen, um dann eventuell doch nichts mehr zu bekommen. So entschloss sich die Familie zum Umzug nach Deutschland. „Aber es ist für mich nach wie vor etwas Besonderes, auf den Oppelner Straßen zu gehen“, sagt Brigitte. „Wer weiß, was dort aus mir geworden wäre, vielleicht auch eine Lehrerin?“

Ich denke an meine aus Schlesien stammende Mutter sowie an meine Besuche in Bunzlau, heute Bolesławiec. Dort begann die Geschichte der mit uns verbundenen Schwesterngemeinschaft (Anbeterinnen des Blutes Christi) in Polen und bis heute haben sie dort eine große Niederlassung, zum einen für ältere Schwestern, zum anderen ein Mädcheninternat. Die Gründerin der Schwestergemeinschaft, Maria De Mattias ist Stadtpatronin von Bunzlau/Bolesławiec.

Mit gefällt die bunte Truppe beim Erste-Hilfe-Kurs, auch altersmäßig sind wir sehr gemischt, von zwei Kindern, die sich auf den Schulsanitätsdienst vorbereiten, über einige junge Leute, die am Führerschein machen sind, bis zu Menschen meiner Generation. Ein guter Tag!