Samstag, 31. Januar 2026

KI - und wie?

Die 14tägig stattfindende Sitzung unseres Pastoralteams beginnt mit einem Gebet. Gestern war Simon dran und las von seinem Handy ein Gebet in Reimform ab, welches sowohl das Wetter (Schnee und Frühlingssehnsucht), als auch den Anlass, eben unsere Sitzung, aufgriff. Mir gefiel der Text, ich fand ihn sympathisch. „Ist das von Dir?“, fragte jemand Simon. „Nein“, lachte er. Vermutlich hatten wir ein KI-generiertes Gebet gehört bzw. gebetet. Die beiden vorigen Male waren jeweils andere Personen mit der Sitzungsleitung und dem damit verbundenen Einstiegsgebet an der Reihe. Beide um einige Jahre älter als Simon. Und so gab es einmal das „Gebet einer älteren Ordensfrau“, das manchmal Teresa von Avila zugeschrieben wird, bzw. einen aus einem Jahresbuch bzw. Kalender vorgelesenen neueren Segen, passend zum Neuen Jahr. Die Nutzung von KI ist wohl, wenn auch nicht nur, eine Generationenfrage. Es geht mir noch nach, dieses von künstlicher Intelligenz erzeugte Gebet, welches ich da gebetet habe. Und ich bin gespannt, halb neugierig, halb besorgt, auf die weiteren Entwicklungen.

Neulich sah ich mir einen Vortrag der Schriftstellerin Felicitas Hoppe an, in welchem sie zweimal von „unserer kleinen Schwester KI“ sprach. Das klingt liebevoll, vertraut, und – im wörtlichen Sinn – familiär.

An dem Tag, an welchem wir nachmittags zur Sitzung des Pastoralteams zusammen kamen, nahm ich vormittags an einem Webinar mit dem Titel: „AI and our Intimate Self: Reading Chinese Experiences in a Cross-Cultural Discourse“ (KI und unser intimes Selbst: Chinesische Erfahrungen in einem interkulturellen Diskurs lesen) teil, sehr spannend. Präsentatorin, Moderatorin und drei Referentinnen, alles in Frauenhand.

Besonders beeindruckend eine junge Professorin in Hongkong, welche viel zum Konfuzianismus forscht und schreibt, Bella Pei Wang. Von ihr gibt es z.B. einen Artikel „Sex Robots as Perfect Confucian Wives?“(Sexroboter als perfekte konfuzianische Ehefrauen?) aus dem Jahr 2024. In diesem wehrt sie sich gegen die von einem anderen Wissenschaftler vertretene Theorie, nach der ein Sex-Roboter möglicherweise das Ideal einer „gehorsamen und stets verfügbaren Frau“ verkörpere. Sie hält diese Ideen für frauenfeindlich und nicht mit dem Konfzianismus vereinbar, so wie sie ihn versteht. Um welches Frauenbild und um welche Vorstellung von Sexualität geht es?

Eingangs hatte die Moderatorin der Veranstaltung von einem ihrer Studenten erzählt, der ganz geknickt war, nachdem die Beziehung zu dem Chatbot, in den er verliebt war, bzw. mit dem er „eine Beziehung hatte“, auseinander gegangen war. Tatsächlich soll es ja wegen solcher Vorkommnisse bereits den ein oder anderen Selbstmord gegeben haben.

Bella Wang erzählte, dass es gemäß dem Konfuzianismus wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung sei, auch einmal alleine sein zu können. Ohne Zeiten des Alleinseins keine Entwicklung. Hier geschieht nun etwas Seltsames. Die technischen Möglichkeiten, KI und natürlich vor allem soziale Netzwerke, verhindern einerseits das Allein-Sein. Weil sie dazu verleiten, ständig online zu sein, Informationen ein- und aufzusaugen. Und andererseits geraten genau dadurch viele in eine geradezu krank machende Isolation hinein.

Die Moderatorin des Webinars wagte es, scherzhaft vom „Roboter-Sex“ ausgehend, auf eine typische Restaurant-Szene hinzuweisen, wo lauter Leute gemeinsam an Tischen sitzen, welche alle auf ihre Handys blicken und darauf konzentriert sind. Wie also sieht unsere Beziehungsqualität und Intimität aus?

Sehr wohltuend darum eine andere der Referentinnen, S. M. Bhagya P. Samarakoon,

als Forscherin im technischen Bereich in Singapur tätig. Sie zeigte Fotos von humanoiden Robotern und erklärte gleichzeitig deutlich, dass es bei der künstlichen Intelligenz eben letztlich um Software geht, Technik.

Es ist, es bleibt und es wird spannend. Ich hoffe, dass wenn Maschinen scheinbar immer mehr dem Menschen ähnlich werden, nicht die Menschen immer mehr Maschinen ähnlich werden...

Donnerstag, 15. Januar 2026

Sternsinger und Frömmigkeitsformen

Am 6. Januar erlebten wir gemeinsam den Auftritt der Sternsinger. Drei meiner Schätzung nach 12-14jährige Mädchen, als Könige verkleidet, mit ihrer Begleiterin. Ich fand, sie hatten ihre Sache gut gemacht. Ein Mitbruder empfand das völlig anders: „Ich bin entsetzt, ich bin entrüstet. Die haben das doch gar nicht ernst genommen!“ Zugegebenermaßen war ich völlig irritiert über diese Wahrnehmung und begann, die Mädchen-Könige zu verteidigen. Keine Chance! Deswegen gab ich auf. 

Diese Begebenheit ging mir nach. Warum hat der Mitbruder so reagiert? Welche Erlebnisse und Erfahrungen lassen ihn zu einer solchen Einschätzung kommen? Was steckt dahinter? Mir war außerdem klar geworden, dass die Wahrnehmung mit Gefühlen zu tun hatte, das war nicht nur rational. Und Gefühle sind stark und kaum rational ansprechbar. 

Wenn es um den Glauben geht, dann ist genau dies zu bedenken. So sehr ich mich um eine intellektuell redliche und verantwortete Verkündigung bemühe, ich habe jeweils Menschen mit Gefühlen und von ebendiesen gesättigten Erfahrungen vor mir. Mit großer Inbrunst etwa singen Menschen Lieder, deren Text bzw. Inhalt wenigstens in Frage zu stellen ist. Manchmal kann ich mich eines Lächelns nicht erwehren! So etwas geschieht durchaus bei Menschen, die im Berufsalltag ihre Frau und ihren Mann stehen. 

Nach einigen Jahren eher administrativer Arbeit in der Zentrale unserer Gemeinschaft bin ich jetzt in den pastoralen Alltag zurückgekehrt und versuche, mich zu orientieren.

Wie gehen wir um mit unserer verschiedenen religiösen Prägung, anderen Schwerpunkten in unserer Frömmigkeitspraxis? Da gibt es die einen, die unbedingt das bekannte Bild des barmherzigen Jesus von Sr. Faustyna in der Kirche aufstellen wollen. Und die anderen, die sich genau dies eher nicht vorstellen können.

Oder die weiterhin schwelenden Fragen um den Stellenwert der Eucharistiefeier. Welches Gewicht hat sie im Gegensatz zur sonntäglichen Gemeindeversammlung in einem Wortgottesdienst? Ostern muss geplant werden und die Zahl der „vorhandenen Priester“ lässt nicht zu, in jeder Gemeinde alle drei österlichen Tage zu feiern. Wie damit umgehen? Die drei Tage an einem Ort, an verschiedenen Orten? Welchen Stellenwert hat die Liturgie/Theologie, welchen die konkrete Gemeindewirklichkeit?

Da kann man und frau sich zum einen die Köpfe heiß reden, und außerdem spielen wieder die Gefühle hinein.

Als einer, der momentan keine Letzt- bzw. Hauptverantwortung hat, kann ich einigermaßen gelassen sein. Wobei ich merke, dass mir unser Miteinander wichtiger ist als die ein oder andere Entscheidung (, wie ich sie gerne hätte). Was nicht heißt, dass ich nicht meine Meinung einbringen möchte und werde.

Und ich hoffe, dass uns als Kirche die „synodale Praxis“ dabei hilft: nicht unliebsame oder schwierige Themen auszuklammern, aber auf jeden Fall miteinander im Gespräch zu bleiben und uns nicht gegenseitig den Glauben abzusprechen, auch wenn wir ganz verschiedene Ansätze haben und Schwerpunkte setzen.

Der Ansatz muss sich zugegebenermaßen noch bewähren und in der Praxis als tauglich erweisen. Fertig werde ich und werden wir damit sowieso nie. Und das ist schön und gut so!