Ich kann nicht kochen. Sr. Teresa sagt, das sei eine Ausrede. „Mit Hilfe des Internet kann jeder kochen“. Vermutlich hat sie Recht! Inzwischen kenne ich auch zumindest zwei Koch-Internetseiten, aber daraus ist noch keine Kochpraxis entstanden. Meine Schwägerin hingegen riet mir zum Kauf eines Thermomix. Damit und mit der zugehörigen App sei das Kochen absolut keine Kunst. Warum kann ich nicht kochen? Ich versuche, mir selbst auf die Schliche zu kommen. Hat es mit einer gewissen Ängstlichkeit und der damit verbundenen mangelnden Experimentierfreude zu tun? Es könnte ja anbrennen oder schlicht nicht schmecken.
Ganz praktisch: ich „musste“ einfach nie kochen. Selbst in dem Jahr in Madrid, wo wir unseren Haushalt selbst bestritten, war ich höchstens für Dienste am Rand eingeteilt: Tisch decken, Brot beim Chinesen in der Nähe holen, abwaschen...
Als Student in Mainz bin ich selbst am vorlesungsfreien Samstag noch zur Uni-Mensa geradelt. Wobei, zu meiner Ehrenrettung sei es gesagt: am Sonntag bemühte ich mich dann tatsächlich darum, mir etwas Warmes zuzubereiten. Was im Normalfall auch gelang. In meinem Mini-Studentenzimmer kam dazu eine elektrische Kochplatte auf den Tisch, der sonst Schreibtisch war. Also nicht Mikrowelle, nein! In Mainz habe ich sogar einmal gebacken. Nicht allein, nein. In unserem Polnisch-Kurs bekamen wir die Aufgabe, ein polnisches Rezept auszuprobieren. Gemeinsam mit anderen war ich für den Mohnkuchen zuständig. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns mit der Honigmenge vertan. Was sich negativ auf die Konsistenz des Kuchens, nicht auf seinen Geschmack auswirkte.
Aktuell lebe ich mit zwei Mitbrüdern zusammen, die beide kochen können. Wir führen unseren Haushalt selbst. Josef etwa hat einen grünen Daumen und kümmert sich um Zimmerpflanzen an verschiedenen Stellen.
Interessant für mich ist, wie das Thema Kochen und Essen das Leben bzw. die Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen. „Was essen wir denn morgen?“ ist bei uns nicht die existentielle Frage wie bei Menschen, denen das Nötigste fehlt und die Hunger leiden. Bei uns geht es darum, was eingekauft werden muss. Mein Respekt gilt allen, welche sich in Familien und Lebensgemeinschaften Gedanken zu abwechslungsreicher Ernährung machen, Tag um Tag, Woche um Woche... Wenn früher Sr. Emma halb ernst-, halb scherzhaft fragte: „sag mir, was soll ich denn kochen?“, dann kannte sie schon meine wenig hilfreiche Antwort: „etwas Gutes und nicht zu wenig!“
Noch etwas, das mit der Thematik Kochen und Essen verbunden ist: um die Vorlieben der anderen zu wissen. Liebe geht eben tatsächlich auch durch den Magen. Obwohl ich nicht heikel bin, wussten Schwestern an verschiedenen Stellen meine bevorzugten Lieblingsgerichte. Manchmal gab es eines davon, wenn ich nach einer Zeit der Abwesenheit auf Besuch kam. Am jetzigen Ort weiß ich zumindest, dass Josef gerne Bananen hat, also kaufe ich regelmäßig welche ein. Wenn möglich fair gehandelte. Fisch aus der Dose mag er auch gern, auch schon zum Frühstück. Also achte ich darauf, dass immer etwas im Vorrat ist.
Fast zwei Jahre war ich als Pfarrer in Salzburg mit einem indischen Mitbruder zusammen. Yesuraj ist ein fantastischer Koch. Bald nach seiner Ankunft zogen wir gemeinsam los, um einen Reiskocher zu kaufen. Ich hatte ja gar nicht gewusst, dass es so ein Gerät gibt. Und natürlich hatte J
Yesuraj auch bald das ein oder andere Asia-Geschäft entdeckt, um an seine Gewürze und Zutaten zu kommen. Es war schon etwas Besonderes, auch einmal jemand zu einem indischen Abendessen im Pfarrhaus einladen zu können.
Wenn mir also einerseits die Fähigkeit fehlt, anderen durch Kochkünste eine Freude zu bereiten, so erinnere ich mich an einen Tiroler Pfarrer, der vor Freude strahlend sagte: „was bin ich froh, dass ich nicht singen kann. So bin ich immer auf Hilfe angewiesen – und das ist gut so. Besser, als wenn ich alles allein machen würde“. Jetzt lassen sich Singen und Kochen nicht unbedingt vergleichen, aber ein wenig tröstet mich die Argumentation doch.