Eine Nachricht aus Frankreich macht mich nachdenklich und lässt so diesen Post wie eine Fortsetzung des letzten werden.
Katholisch.de berichtet am 20. August: „Der Erzbischof von Paris, Laurent Ulrich, fordert dazu auf, das neu in Kraft getretene Gesetz zur Sterbehilfe in Frankreich nicht anzuwenden. Das Erzbistum Paris veröffentlichte am Mittwoch ein Schreiben des Erzbischofs, in dem er sagt: `Heute, morgen, in den kommenden Zeiten, werden wir zweifellos mutige Entscheidungen treffen müssen, vielleicht gegen die Strömung, beginnend mit denen, die wir für uns selbst treffen werden.´ Seit Mittwoch gilt das seit Jahren diskutierte Gesetz, das unheilbar Kranken den assistierten Suizid ermöglicht.“
Der kurze Artikel erinnert daran, dass außer in Frankreich die Sterbehilfe auch in Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Spanien legal ist.
Die Nachricht überschneidet sich zeitlich mit dem, was ich soeben hier erlebt bzw. von P. Josef erzählt bekommen habe. Am Montag – Josef hatte die sogenannte „Dienstbereitschaft für seelsorgliche Notfälle“ von Sonntag Mittag bis Dienstag Morgen – bekam er einen Anruf von der Palliativstation eines Seniorenzentrums in Bad Driburg. Er machte sich auf den Weg, mit etwas Verspätung, weil er auf das Auto warten musste, mit dem ich gerade zum Einkaufen gefahren war. Als Josef beim Patienten in Bad Driburg (ca. neun Kilometer von Neuenheerse entfernt) ankam, erklärte ihm dieser: „ich wollte nur einen Termin für ein Gespräch mit einem Priester ausmachen, das hat die Krankenschwester schlecht verstanden bzw. falsch weiter gegeben. Ich muss mich ja erst auf das Gespräch vorbereiten“. Also machten die beiden einen Termin für den darauf folgenden Donnerstag aus. Und Josef fuhr wieder hin. Zum Patienten auf der Palliativstation, der die Sauerstoffflasche neben dem Bett hat. Diesmal sagte der Patient: „ich habe schlecht geschlafen. Ich habe der Krankenschwester gesagt, sie möge den Termin absagen, das hat sie offensichtlich nicht getan“. Und Josef kam schnell wieder nach Hause. Der Patient wolle sich wieder melden.
Klar – zum einen könnte man jetzt die Abläufe auf der Palliativstation nachverfolgen und zu klären versuchen, das jeweils Dienst habende Personal ausfindig machen und nachfragen. Geschenkt!
Zum anderen habe ich mich gefreut über die „vertane“ Zeit von Josef und darüber, dass er sich mit keiner Silbe über seine „nutzlosen“ (Metzger-)Fahrten beschwert hat.
Um das Ganze zu kommentieren, füge ich schlicht und einfach noch zwei Absätze der Enzyklika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV. an – es lohnt sich durchaus, das vollständige Dokument zu lesen.
„118. Unser Verhältnis zum Leben scheint heute in einer Krise zu stecken. Alles, was als „Begrenztheit“ erscheint – Unfähigkeit, Krankheit, Alter, Leiden, Verletzlichkeit –, wird normalerweise erst einmal als ein zu behebender Mangel angesehen und nicht als ein Umstand, durch den der Mensch reift und sich für Beziehungen öffnet. Doch wir müssen daran denken, dass der Mensch nicht trotz seiner Begrenztheit, sondern oft gerade durch seine Begrenztheit zur Entfaltung gelangt. Ein Blick auf die Wirklichkeit im Licht des Glaubens hilft uns, das zu erkennen, was wir die „Kontingenz“ der Dinge dieser Welt nennen. Wenn es auch einerseits unsere Pflicht ist, zu versuchen, das Leiden zu beseitigen, das das menschliche Leben zeichnet, so ist es andererseits doch weise, unsere konstitutive Endlichkeit anzuerkennen, in dem Wissen, dass »die religiöse Erfahrung und insbesondere der christliche Glaube dazu einladen, diese Ambivalenz zwischen der Größe und der Begrenztheit des Menschen ohne Vereinfachungen zu leben und sie im Licht der ursprünglichen und grundlegenden Beziehung zu Gott zu deuten«.
„122. Wenn die Endlichkeit in Wahrheit angenommen wird, macht sie den Menschen nicht arm, sondern öffnet ihn für die Erkenntnis des Antlitzes Gottes und des Nächsten. Gerade weil er Begrenztheit erfährt – Verletzlichkeit, Schmerz und Versagen –, kann er die eigene Würde und die der Mitmenschen als unantastbar anerkennen. Und gerade in dieser Erfahrung der Begrenztheit bleibt er fähig, eine geschwisterliche Verbundenheit zu erahnen, die größer ist als er selbst, und Ungerechtigkeit als einen Skandal zu sehen.“