Donnerstag, 15. Februar 2024

Ewiges Licht

Insider kennen es: das „ewige Licht“ in der Kirche, welches meist rot in der Nähe des Tabernakels, also dem Aufbewahrungsort des eucharistischen Brotes, leuchtet. Natürlich haben auch wir in unserer Hauskapelle ein solches. Sr. Elisabeth, die sich als Sakristanin um die Kapelle kümmert, hält auch das Licht am Leuchten. In unserem konkreten Fall, indem sie Öl in die Lampe nachgießt. Vor einigen Tagen bekam ich mit, wie sie Juan darum bat, doch beim Kerzenhändler neues Öl zu bestellen, weil die Vorräte zur Neige gehen. Juan war etwas missmutig und meinte, man könnte doch einfach ein elektrisches Licht installieren. De facto ist das die gängige Praxis in vielen Kirchen und Kapellen, auch wenn es nicht genau den Vorschriften entspricht. Und vielleicht denkt sich jetzt manche/r Leser/in: „was haben die für Probleme!“

Ich gebe zu, dass ich zwar mit einem „elektrischen ewigen Licht“ leben kann, aber mich doch freue, wenn es mit Wachs oder Öl genährt wird. Deswegen favorisiere ich die bisherige Lösung hier im Haus. Wobei ich mir auch vorstellen könnte – in vielen Kirchen gibt es diese Lösung -, sogenannte „Mehr-Tages-Brenner“ zu verwenden, ähnlich wie sie auch auf Friedhöfen zum Einsatz kommen. Sowohl Wachs als auch Öl, die regelmäßig nachgefüllt bzw. ergänzt werden müssen, scheinen mir (bin ich deswegen altmodisch?) lebendiger als die Strom-Variante.

Wenn ich eine Kirche betrete, dann schaue ich gerne nach dem Ewigen Licht und mache dann eine Kniebeuge vor dem Tabernakel oder halte mich – je nach den zeitlichen Möglichkeiten und Umständen – etwas dort auf.

Abgesehen von der „Nahrung“ des Lichtes gibt es verschiedene Formen der Lampe: da gibt es alte Ewig-Licht-Lampen, an denen sogar Flügel angebracht sind (ein Hinweis auf die Engel, die um das Allerheiligste herum schweben), aus mehr oder weniger wertvollem Material. Besonders schön finde ich eine moderne Ewig-Licht-Ampel, die in der Vinzenz-Kirche in Untermarchtal hängt, eine mit Öl gefüllte, oben geöffnete Glaskugel. Eine von der Form her ähnliche, etwas kleiner, ist in der Kapelle San Cosimato, wo ich an Sonntagen oft die Messe mitfeiere. Allerdings steht die Glaskugel dort auf einem Metallständer, das ist lange nicht so schön wie die hängende in Untermarchtal.

Schmunzeln lässt sich bei der Geschichte des kleinen Kindes, das sich im Gottesdienst langweilte und seinen Vater fragte: „können wir denn gehen, wenn es da vorne endlich grün wird?“

Mich fragt das Ewige Licht aber auch, ob ich brenne – das scheint ja noch wichtiger zu sein als die von welchem Material auch immer genährte Lampe. Wie steht es um meinen Glauben? Gibt es da wenigstens ein Flämmchen, oder droht es zu erlöschen? Und was nährt meinen Glauben, welches Öl, welcher Strom, welches Wachs…?

Das regelmäßige Nachfüllen einer Ewig-Licht-Lampe mit Öl oder Wachs erfordert Aufmerksamkeit, schon als Kind habe ich mitbekommen, wie vorsichtig der alte Mesner damit umging. Bei der Strom-Variante dagegen kann es höchstens erforderlich sein, einmal das Leuchtmittel zu wechseln oder – bei Stromausfall – einen Sicherungsschalter zu betätigen.

Auf der anderen Seite erlebe ich im Alltag, wie ich vom Handy oder PC immer wieder um meine Zustimmung zu einem Update gefragt werde, bzw. ich muss selbst aktiv werden, etwas installieren oder gar etwas Neues kaufen. So plädiere ich für meinen Teil dafür, auch das Ewige Licht regelmäßig „up-zu-daten“…

Montag, 15. Januar 2024

Nervenkitzel Bahnreise

Wenn ich von meiner Rückfahrt nach Rom Anfang Januar erzähle, dann geht es mir dabei nicht um „Bahn-Bashing“, ganz im Gegenteil. Ich finde es erstaunlich, wie das Reisen „trotz allem“ funktioniert. Und das soll jetzt nicht ironisch klingen.

Nachdem ich vor einem Jahr mit Müh und Not in München meinen Anschluss Richtung Italien erwischt hatte, weil der Nahverkehrszug von Mindelheim her Verspätung hatte, überlegte ich mir, dieses Jahr in Mindelheim früher los zu fahren. Aber irgendwie war es mir dann doch zu dumm, oder auch „no risk, no fun“. Denn wenn der um 8.13 in Mindelheim abfahrende Regionalexpress um 9.04 in München ankommt, dann habe ich eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des Eurocity nach Bologna. Da sind sogar noch ein paar Minuten Verspätung drin.

Also blieb ich dabei und stand um 8.00 Uhr früh bereits auf dem Mindelheimer Bahnsteig – und der Zug kam nicht (zur erwarteten Zeit). Endlich, um 8.20 Uhr eine Durchsage: „der RE nach München hat heute 10 Minuten Verspätung“. Und tatsächlich fuhr das Zügle auch bald danach ein. Dem Fahrkartenkontrolleur sagte ich dann scherzhaft, er solle doch seinem Kollegen in der Lok sagen, dass dieser etwas mehr Gas gebe. „Wir müssten um 9.16 ankommen“, bekam ich als Antwort. Da kamen wir an, allerdings in München-Pasing, also es waren noch ein paar Minuten zum Hauptbahnhof. Trotz knapp 20 Minuten Verspätung reichte die Zeit in München dann gut, um von Gleis 27 zu Gleis 12 zu gehen, wo der Eurocity stand. Viele Leute stiegen ein, so ging ich ganz nach vorne und hatte im ersten Waggon eine Vierer-Sitzgruppe ganz für mich allein. Sehr angenehm, um den kleinen Rucksack neben mir abzustellen und die Füße auf dem gegenüberliegenden Sitz ablegen zu können.

Zur geplanten Abfahrtszeit gab es eine (immerhin dreisprachige!) Durchsage, dass der Zug nicht losfahren könne, da sich Menschen auf den Gleisen des vor uns liegenden Streckenabschnittes befänden. Einmal wurde diese Durchsage noch wiederholt und dann schien eine andere Lösung gefunden. „Wir fahren heute über den Holzkirchner-Bahnhof, das heißt, dass der Bahnhof München-Ost nicht wie geplant angefahren wird, wir halten dort nicht. Und wir werden in Rosenheim mit Verspätung eintreffen“. Mir tun die Leute leid, die in München-Ost einsteigen wollten und ich freue mich, dass eine Lösung gefunden werden konnte. Toll! So geht es also los in den Süden. Ich überlege noch, wer sich da wohl auf den Gleisen befunden haben mag: Kinder, Betrunkene, Lebensmüde? – Herr, segne sie, wen auch immer! (Inzwischen habe ich von Herrn Weselsky von der GDL gehört, dass Bahn-Mitarbeiter manchmal gezwungen sind, die Aussage „Personen im Gleis“ pro Forma zu verwenden…)

Bereits auf italienischem Boden eine weitere Durchsage: wenn sich ein Arzt im Zug befände, dann möge dieser doch bitte in den Waggon mit der Nummer soundso kommen. Oh je! Und in Bozen am Bahnhof haben wir dann einen etwas längeren Aufenthalt, weil es dort wohl zum Einsatz medizinischen Personals kommt. Gebe Gott, dass dem/r Kranken gut geholfen werden konnte.

Unsere Verspätung ist deswegen auf eine knappe Stunde angewachsen und mir ist klar, dass ich den vorgesehenen Zug von Bologna Richtung Rom nicht mehr erreichen werde. Blöd.

So gehe ich, in Bologna angekommen, zu einem ITALO-Schalter und erkläre der jungen Dame mein Problem. Sie ist nett und erklärt mir, dass es Probleme mit dem „System“ gäbe, der Computer will nicht so recht. Schlussendlich geht sie mit mir zum Fahrkartenautomaten und es gelingt ihr dort, meine gebuchte Fahrkarte gegen einen Aufpreis von € 28.- umzutauschen. Dabei hatte sich der Schwabe im Vorfeld so über den günstigen Preis der Fahrkarte gefreut gehabt.

Letztlich komme ich dann mit (nur) einer Stunde Verspätung dankbar in Rom an. Der erste Bus fährt mir vor der Nase weg, aber ich muss nicht lange auf den zweiten warten.