Samstag, 31. Oktober 2026

Bekehrung

Dass aus dem Saulus ein Paulus wurde, damit können auch säkulare Zeitgenossen einen radikalen Gesinnungswandel zum Ausdruck bringen. Dabei stimmt das gar nicht, selbst wenn es in einer frommen Predigt vorkommt: Der Jude Saul/Schaul verwendete die lateinische Form seines Namens „Paulus“ je nach Situation, in der er sich befand, je nachdem, mit wem er es gerade zu tun hatte. Saulus war immer schon Paulus. Und Paulus blieb Saulus. Die (vermeintliche) Namensänderung ist so tief im Bewusstsein verankert wie das Pferd, von dem Saulus bei seiner Bekehrung angeblich fiel. Auch wenn Caravaggio und andere das ausdrucksstark gemalt haben: in den Schilderungen der Bekehrung bzw. Berufung des Saulus/Paulus in der biblischen Apostelgeschichte ist von keinem Pferd die Rede.

An diese berühmte Bekehrung muss ich regelmäßig denken, wenn ich neuere Bekehrungsgeschichten höre oder lese. Da ist zum Beispiel der Mann, der jahrelang „esoterische Praktiken“ ausübte und jetzt einen Rosenkranz nach dem anderen betet.

Oder die Frau, die sich vom ausgiebigen Yoga-Üben verabschiedete hat und nun häufig beichtet, vor allem, um Ablässe für sich und andere zu gewinnen.

Ein anderer Mann wiederum hat das Empfinden, das Beichten genüge nicht, es helfe ihm nicht recht weiter mit seinen Problemen. Also fragt er nach der Krankensalbung. Man muss sozusagen stärkere Geschütze auffahren.

Es steht mir nicht zu, die Lebenswege und Bekehrungsgeschichten anderer Menschen zu beurteilen. Und womöglich habe ich obige Beispiele verzerrt wiedergegeben. Auf keinen Fall möchte ich Sakramente wie die Beichte oder Krankensalbung abwerten und ganz bestimmt nicht das Rosenkranzgebet.

Trotzdem kann ich mich bisweilen eines leichten Unbehagens nicht erwehren und es beschleicht mich der Eindruck, dass bei der einen oder dem anderen (bei mir selbst ganz sicher!) eine Bekehrung noch aussteht, bzw. - wie bei mir eben auch – noch im Gang ist.

Haben die/wir Bekehrten denn tatsächlich schon die Wahrheit des Epheserbriefes verinnerlicht: „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft — Gott hat es geschenkt, nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann.“ (Eph 2,8f.)?

Um die oben genannten Beispiele aufzugreifen: bisweilen wirkt es so, als ob die eine sich früher durch Yoga und heute durch Beichten selbst zu retten versuchte und der andere sein Heil eben durch den Rosenkranz anstatt Esoterik zu finden meint. Ich will nicht Äpfel und Birnen vergleichen, aber ich frage an. Mir kommt dabei die öfter wiederholte Kritik von Papst Franziskus an (Neu-) Gnostizismus und (Neu-)Pelagianismus in den Sinn, Versuche der Selbsterlösung.

Gerade als Missionar vom Kostbaren Blut bin ich da empfindlich. Ich muss und kann mir das (ewige) Heil nicht durch meine „Bekehrung“ gleichsam erzwingen, sondern das Annehmen der unermesslichen Liebe Gottes hilft mir bei der Verwandlung meiner Existenz, der guten Entwicklung meiner Persönlichkeit auf den Menschen hin, der ich in Gottes Augen immer schon bin.

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