Wenn ich mich recht erinnere, dann war es Rosa Ramos, die vor kurzem ein Loblied auf die Langsamkeit angestimmt hat, nachdem sie darauf hinwies, dass kaum noch alte Handarbeitstechniken wie Weben oder Sticken praktiziert werden, ja Menschen sich oft genug auch nicht mehr die Zeit zum Kochen nehmen. Es muss schnell gehen!
Wahrscheinlich wird der eine oder die andere Rosa Ramos widersprechen und auf die vielen Kochshows im Fernsehen hinweisen. Und trotz der elektronischen Küchenhelfer (oder gerade wegen dieser) gibt es viele Leute, die Freude am Kochen haben.
Eckhard Bieger meinte, dass vielleicht in Zukunft die Baumärkte viel zu tun bekommen, wenn Leute in einer roboterisierten Welt anfangen, wenigstens ihre Möbel selbst bauen zu wollen.
Nachdem ich weder kochen kann noch handwerklich begabt bin, frage ich mich, wie ich mit der Zeit und der Langsamkeit umgehe.
Ich genieße das Gehen. Schon von der Art der Bewegung ziehe ich es noch dem Fahrrad-Fahren vor. Und dann ist es noch einmal langsamer. Einige Male waren wir auf Fußwallfahrt im Tiroler Inntal unterwegs, zwei Tage von Georgenberg (bei Schwaz) nach Kufstein. Und im Urlaub bin ich einmal in der umgekehrten Richtung gewandert, von Innsbruck bis Feldkirch (österreichischer Jakobsweg). Seitdem habe ich immer den Eindruck: „es geht viel zu schnell!“, wenn ich diese Strecke mit dem Auto oder dem Zug zurück lege.
Von meinem jetzigen Wohnort aus habe ich angefangen, in Etappen den Hellweg zu gehen, eine alte Handelsstraße, die es bereits vor den Römern gab. In Neuenheerse bin ich gestartet und inzwischen bis Soest gekommen, dieser Tage möchte ich weiter und Dortmund erreichen. Langsam, Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer.
Gerne gehe ich durch den Wald, freue
mich an den Spiegelungen des Lichtes in den Blättern der Bäume.
Diese sind ja selbst Zeugen der Langsamkeit: „Zu fällen einen
schönen Baum,
braucht's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis
man ihn bewundert, braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert!“ (Eugen
Roth).
Kein Wunder, dass es mir sehr sympathisch war, im Rahmen einer Ausbildung für Verantwortliche in religiösen Gemeinschaften darauf hingewiesen worden zu sein, mich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Wenn andere sofort eine Entscheidung erwarten oder eine Antwort möchten: „Nein, ich muss darüber nachdenken!“ Oder die Sache auch ins Gebet nehmen.
Die Erfurter Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens brachte es sogar mit der Partizipation (eine der Säulen der Synodalität) in Verbindung, als sie von ihrer Skepsis gegenüber bzw. Ablehnung von „Tischvorlagen“ erzählte. Wenn du erst bei der Sitzung die Tagesordnung siehst und dann eventuell sogar noch über den ein oder anderen Tagesordnungspunkt abstimmen sollst. Das geht nicht! Wie sehr habe ich schon unter ähnlichen Praktiken gelitten. Die Tagesordnung für eine Sitzung kam am Abend vorher oder zwei Stunden vor Sitzungsbeginn via Mail. Da ich im Normalfall nur einmal am Tag meine Mails anschaue, konnte es vorkommen, dass ich die Tagesordnung vor der Sitzung gar nicht gesehen hatte.
Ich bin meinen Kolleginnen und Kollegen im Pastoralteam hier sehr dankbar, dass sie meinen Vorschlag angenommen haben, Vorschläge für die Team-Sitzung (jeden zweiten Donnerstag Nachmittag) bis spätestens Mittwoch Abend einzubringen. Früher war das bis Donnerstag 11.00 Uhr möglich. Jetzt kann ich und können wir zumindest den Donnerstag Vormittag noch nutzen, um uns auf die nachmittägliche Sitzung vorzubereiten.
Ich meine, trotz Handy- und Computernutzung lohnt es sich, nicht immer sofort zu reagieren und sich (und anderen!) Zeit zu lassen und zu geben. Gemäß dem im Flur des Pfarrhauses meines früheren Heimatpfarrers zu lesenden Spruch: „Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt“.
Gut Ding will Weile haben!
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