Samstag, 16. Juni 2018

„Sprzątam”

Sprzątam” (sprich: spschoatam) – so hörte ich es vor kurzem als Beschreibung der Arbeit einer Ordensfrau. Sie sagte das über ihre frühere Tätigkeit: „Sprzątałam” - ich habe aufgeräumt.
Auf eine doppelte Weise geht mir diese „Arbeitsbeschreibung“ nach. Die Schwester ist also nicht Köchin oder Lehrerin oder Sakristanin oder Krankenschwester, sondern sie räumt auf.
Je nachdem, wie und in welchem Zusammenhang ein Mensch diese Aufgabe ausführt, kann das vermutlich eine tatsächlich ausfüllende und viel Zeit in Anspruch nehmende Tätigkeit sein.

Von einem Konvent mit 15 Schwestern hörte ich, dass es dort eine „Refektorin“ gibt. Das ist also diejenige, die für die einzelnen Mahlzeiten den Tisch deckt und sich vermutlich auch noch um einen entsprechenden Tischschmuck sorgt. Wenn da Blumen aus dem Garten geholt und kunstvoll zu einem Gesteck arrangiert werden, dann braucht das Zeit. Genauso, wenn dann noch Servietten kreativ gefaltet werden. Und vielleicht muss auch das Essen aus der Großküche geholt und die leeren Gefäße dorthin zurück gebracht, bzw. das Frühstück selbst zubereitet werden.

Nicht-Kloster-Leute mögen gegenüber solchen Arbeitsbeschreibungen und Tätigkeiten womöglich rat- und verständnislos sein. Wobei ich vor kurzem ein Interview mit dem Leiter eines Klosters las, der als Besonderheit des Zusammenlebens der Mönche nicht nur das regelmäßige gemeinsame Gebet, sondern auch die gemeinsamen Mahlzeiten nannte. Mir wurde dabei erst wieder mein eigenes Lebensumfeld bewusst, weil wir so etwas auch haben. Und das ist wohl in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Dass sich eine Lebensgemeinschaft, z.B. eine Familie, tatsächlich regelmäßig miteinander an den Tisch bzw. um diesen herum zum Essen setzt. Damit das klappt, ist ein gewisser Einsatz nötig.

Auf der anderen Seite ist das „Aufräumen“ in säkularen Zusammenhängen wohl eher eine „Nebentätigkeit“. „Jedes Ding an seinem Ort erspart viel Zeit und böse Wort“, so hat es vermutlich mancher Lehrling früher gehört oder hören es Auszubildende auch heute noch.

Die berühmten liegen gelassenen Socken oder die nicht zugedrehte Zahnpastatube werden ja immer wieder einmal als „Beziehungskiller“ genannt. Hoffentlich lernen die Kinder möglichst früh, aufzuräumen und Ordnung zu halten. Nicht dass eine verwöhnende Mama das für sie erledigt. Wobei in Familien mit Kindern das Aufräumen keinen geringen Stellenwert hat und manchmal durchaus mit beträchtlichem Zeitaufwand verbunden sein kann. Und niemand in der Familie daraus einen Beruf machen würde. In Ordensgemeinschaften kann es vorkommen, dass etwas liegen bleibt, weil die zuständige Person sich nicht darum gekümmert hat. Und die anderen sind eben nicht zuständig. Passiert in Familien nicht so schnell, oder?

Wenn es dann konkret wird, dann merken wir unsere unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen. Ein Mitbruder, mit dem ich zusammen lebe, macht grundsätzlich die Schranktür nicht zu, nachdem er sie geöffnet hat, um ein Glas heraus zu holen. Was mich fuchtig macht, ich gebe es zu.
Schlimmer noch ist es ja, wenn jemand die Kühlschranktür so gedankenlos schließt, dass der Kühlschrank de facto über Nacht offen bleibt. Auch schon erlebt.

Oder die überall herum liegenden Sachen. Das scheint mir in Familien und Ordensgemeinschaften ähnlich: manchmal scheinen die Zuständigkeiten nicht geklärt. Da gibt es nicht nur Sachen, die auf einmal unerklärlicherweise verschwunden sind und keine/r weiß etwas darüber. Sondern es gibt auch Dinge, die plötzlich irgendwo herum liegen und auch davon weiß ebenso niemand etwas.

Und manchmal vergeht viel Zeit, bis sich jemand ein Herz nimmt und Dinge aufräumt.
Im ungünstigen Fall landen manche Sachen dann im Keller oder auf dem Dachboden. Dort kommen alle „Ordnungs- und Aufräum-Initiativen“ zum Erliegen.
Der kleine Geist hält Ordnung, der große beherrscht das Chaos“.

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