Mittwoch, 1. August 2012

anders herum...


Eine wichtige Zeit am Tag ist für mich eine halbe Stunde Meditation am Morgen, so als erstes nach dem Aufstehen, ein wenig Gymnastik und der Morgentoilette. Während dieser Meditationszeit nehme ich kein Buch zur Hand, zur Vorbereitung derselben jedoch schon. Wobei es nicht um eine Zeit des Nachdenkens, sondern um eine Zeit des Gebetes geht. Einige Tage war ich beschäftigt mit einem Text mit der Überschrift „Entscheidung für Gott“ eines mir sehr lieben Autors. Dieser legt darin einen Abschnitt des Lukasevangeliums (14,25-35) aus.
Obwohl ich den Text früher schon einmal gelesen hatte, fand ich ihn neuerlich anregend und hilfreich und bei einzelnen Punkten applaudierte ich gleichsam innerlich.

Im Beten mit diesem Text war es dann anders. Da kam mein eigenes Leben mit seiner Schwerfälligkeit und seinen Fehlern mit dazu, woraus dann das Gefühl entstand: „Entscheidung für Gott, schön und gut! Ich will ja auch – aber ich bleibe immer wieder hinter dem einmal Vorgenommenen zurück.“ Es geht mir hier um die sich täglich neu aktualisierende Entscheidung, nicht die irgendwann einmal getroffene. Dieser oder jener äußere Umstand, diese oder jene innere Grenze lässt mich stolpern, zurück fallen... Es könnte einen das schon traurig und verzagt werden lassen.

Nun hat sich all dies im Monat Juli abgespielt, den wir in meiner Gemeinschaft als „Kostbar-Blut-Monat“ begehen. Mehr noch als sonst im Alltag taucht dieser Gedanke auf, ist dies das Thema.
Und so habe ich beim Beten und Ringen um die „Entscheidung für Gott“ auch neuerlich auf den Blut vergießenden Jesus geschaut. Und fand Trost! Und Klarheit!
Denn ER sagt mir, gerade eben durch sein von ihm vergossenes Blut: „ich habe mich für Dich entschieden! Und ich gebe mich hin für Dich, mich selbst, mein Leben – dafür steht das Blut – nicht aufgrund Deiner Großartigkeit und Deiner Leistungen. Nein, schlicht weil ich Dich liebe und mich für Dich entscheide“.

Aha! Jetzt sieht die Sache anders aus. Kann es sein, dass ich mich selbst überfordere, wenn ich mich zu einer „Entscheidung für Gott“ aufraffe, ohne sie auf der Grundlage SEINER Entscheidung für mich zu sehen? Das muss ja daneben gehen.
Anders ist es, wenn es darum geht, auf SEINE Entscheidung für mich zu antworten. Keine Frage: der Blick auf den Blut vergießenden Jesus ist auch herausfordernd! Aber diese Herausforderung ist gepaart mit einer staunenden Dankbarkeit. Du tust das für mich – soviel bin ich Dir wert!
Nicht: ich presse die Zähne zusammen, sammle all meine Energie und zeige Dir, was ich für Dich tue oder tun möchte! Das wäre, wenn, dann Schritt zwei.

Mir fällt der US-amerikanische Mitbruder ein, der von Karfreitagspredigten erzählte, welche sich hauptsächlich damit beschäftigten, den Leuten ein schlechtes Gewissen zu machen. Mit dem Blick auf Jesus am Kreuz zu predigen: „das habt Ihr Jesus angetan! („you did it to him!“). Die andere Seite „das hat ER für Euch getan“ (he did it to you) ging darüber unter. Wenn ich von zwei Seiten spreche, dann will ich damit klar machen, dass ich keine ausblenden möchte. Es geht mir um die Gewichtung und den Ansatz.

Vermutlich ist all das nichts Neues. Aber es kann einem – wie mir – immer neu unter die Haut gehen und Ursache der Freude sein. Und das ist doch viel wert, nicht wahr?