Montag, 14. Februar 2011

Silja Walter

Ist hinter allen Dingen,
Die scheinbar nicht gelingen,
Doch Einer, der mich liebt.

In einem Nachruf auf die am 31.1.2011 im 92. Lebensjahr verstorbene Silja Walter hat Abt Martin Werlen von Einsiedeln diese Zeilen aus ihrem „Lied der Armut“  zitiert. Und mir sind sie gleich im Gedächtnis haften geblieben, wie anderes von dem, was Silja Walter gedichtet hat.

Ich bin nicht ganz sicher, was es genau ist, woher es kommt, dass mich diese Frau und ihr Schreiben beeindrucken und berühren. Ich erinnere mich an eine persönliche Begegnung mit ihr im Kloster Fahr bei Zürich, wo Silja Walter mehr als 60 Jahre als Sr. Maria Hedwig gelebt hat. Unter den vielen Dingen, welche die bedeutendste Schweizer Lyrikerin der Gegenwart geschrieben hat, war auch ein Mysterienspiel für die Schaaner Schwestern, welches 1984 in der Schellenberger Pfarrkirche (im Fürstentum Liechtenstein) aufgeführt wurde. Es war das Jahr meines Probandates an diesem Ort. Der Probandatsleiter hatte im Mysterienspiel die Rolle des hl. Kaspar, Thomas und ich waren Beleuchter. Wir saßen auf den Beichtstühlen hinten in der Kirche mit gewaltigen Theaterlampen, die wir laut Regie ein- bzw. auszuschalten hatten. Bzw. ab und zu ging es auch darum, eine Buntglasscheibe vor die Lampe zu schieben, um den entsprechenden Lichteffekt zu erzielen. Silja Walter nahm ihre Lebensform ernst und kam nicht nach Schellenberg, um sich ihr Mysterienspiel dort anzusehen. Wir Mitwirkenden machten jedoch einmal einen Ausflug nach Fahr und besuchten sie.
Ist es diese persönliche Begegnung, die mich sensibel sein ließ und lässt für Silja Walters Texte?
Fast meine ich, es sind eher ihre Texte selbst, ihre Sprache, auf die ich mich so gut einlassen kann.
Wie gerne etwa singe ich das Lied „Eine große Stadt ersteht“ (im Gotteslob 642) – und sehe dabei die geheimnisvolle Stadt vor mir, von der da die Rede ist. Dieses Kirchenlied mag ich mich viel mehr als andere Kirchenlieder.
Und interessanterweise haben ja die Texte der über 60 Jahre in einem Kloster lebenden Silja Walter viele Menschen angesprochen, die mit Kloster und Kirche zunächst einmal nicht unbedingt etwas anfangen können. Silja Walter hat sich als Mensch in ihrem Suchen gezeigt und damit Nähe hergestellt zu Menschen, die ebenfalls auf der Suche sind. 

Jemand muß zuhause sein, Herr, wenn du kommst.
Jemand muß dich erwarten, unten am Fluß vor der Stadt.
Jemand muß nach dir Ausschau halten, Tag und Nacht.
Wer weiß denn, wann du kommst? 

So beginnt ihr „Gebet des Klosters am Rande der Stadt“ - und wenn ich mein Leben, kein Klosterleben, aber als Missionarsleben doch auch verwandt damit, beschreiben möchte, dann muss ich oft an diese Zeilen denken. Wachend Ausschau halten, oft einmal stellvertretend, ja genau!
Wahrscheinlich muss ich gar nicht mehr erklären, wie sehr ich mich freue, dass in das Stundenbuch der Kirche 14 Texte Silja Walters als Hymnen aufgenommen worden sind, bei der Autorenangabe steht dort momentan noch „zeitgenössisch“. In ihren Texten kann ich mich betend finden und bergen – und habe jetzt hoffentlich Lust gemacht darauf, sie wieder und neu zu lesen. Diese zierliche Benediktinerin, die so gar nicht welt-enthoben war.

Montag, 31. Januar 2011

Gute Nachrichten aus Madrid!


Zur Erinnerung: im Dezember 2009 verabschiedete Spanien ein neues Fremdenrecht. (Ein solches wurde in den vergangenen Jahren immer wieder einmal verabschiedet, bzw. erneuert, je nachdem, welche Partei gerade an der Regierung und wie die wirtschaftliche Situation im Land war. Außerdem spielt dabei auch der Prozess der Europäisierung eine Rolle). Festgelegt in diesem neuen Gesetzespaket wurde etwa die Verlängerung der Internierungsdauer in Abschiebehaft auf bis zu 60 Tage (vorher 40). Erwähnt wurde die Möglichkeit des Zugangs zu Abschiebehaftzentren für Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen (engl.: NGO, span.: ONG), wobei das „Regolamento“ diese Zugangsbedingungen näher bestimmen sollte. Das „Regolamento“ sind die Ausführungsbestimmungen zum Gesetzespaket, die „eigentlich“ innerhalb von 6 Monaten nach Verabschiedung des Gesetzes veröffentlicht werden müssten. Im Normalfall dauert so etwas länger, das ist bekannt. Im Hinblick auf das im Dezember 2009 verabschiedete Fremdenrecht ist mir allerdings noch kein Regolamento bekannt.

Als ich im Oktober 2010 meine letzten Besuche im Abschiebehaftzentrum Madrid – Aluche machte, waren dort gerade Bauarbeiten im Sprechzimmer am laufen. Dieses wurde erweitert, so dass anstatt fünf nunmehr zehn Besuchende gleichzeitig eintreten und jeweils einer festgehaltenen Person gegenüber sitzen können. Neu ist auch, dass sich die Gesprächspartner nun durch eine Glasscheibe getrennt gegenüber sitzen und durch eine Art Telefon miteinander sprechen.

Am 13. Januar 2011 hat nun ein Richter in Madrid entschieden, dass Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen erweiterte Zugangsmöglichkeiten zum Abschiebehaftzentrum haben müssen. Bisher unterwarfen sich die NGO – Mitglieder denselben Bedingungen wie Familienangehörige und Freunde. Das heißt: die Besuchszeit ist nachmittags von 15.00 bis 19.00 Uhr, es gibt unterschiedlich lange Wartezeiten unter schwierigen Bedingungen (Warten im Freien, bei Wind und Wetter und Hitze, ohne angemessene sanitäre Einrichtungen). Außerdem darf im Rahmen dieser allgemeinen Besuchszeit jede besuchende Person nur einen Besuch pro Tag machen und auch jede festgehaltene Person nur einen Besuch pro Tag empfangen. Und schließlich ist die Besuchszeit auf 20 Minuten beschränkt.

Wenn jetzt NGO – Mitglieder z.B. auch vormittags Besuche machen dürfen (der richterliche Beschluss räumt ihnen praktisch die selben Möglichkeiten ein, wie sie Rechtsanwälte haben), dann bedeutet das eine große Erleichterung. Zum einen ist dann eher die Begleitung eines Menschen möglich (als in begrenzten 20 Minuten Besuchszeit). Außerdem muss ein NGO – Mitglied kein schlechtes Gewissen haben, dass es vielleicht an diesem Tag einem Familienmitglied die Besuchsmöglichkeit „weg genommen hat“, weil ja nur ein Besuch pro Tag empfangen werden kann. Es ist zu hoffen, dass den NGO – Mitgliedern auch lange Wartezeiten unter schwierigen Bedingungen erspart bleiben.

Die Migrationsabteilung der spanischen Ordensleutekonferenz hat den Nichtregierungsorganisationen bzw. den Besuchenden im Abschiebehaftzentrum Madrid – Aluche gratuliert. Und es ist zu wünschen, dass diese neue, positive Regelung auch auf andere Abschiebehaftzentren Spaniens angewendet wird.

Nebenbei: bei der Tagung der im Zusammenhang mit Abschiebehaft im deutschen Sprachraum engagierten Menschen Mitte Januar in Wien hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer daran erinnert, dass schon das Konkordat eine Besuchsmöglichkeit für den Seelsorger bei Menschen in seinem Seelsorgebereich vorsieht. Und das UNO – Flüchtlingshilfswerk kritisiert, dass Menschen bis zu 18 Monate in Abschiebehaft festgehalten werden können.

Und letztlich hoffen wir, dass sich Einrichtungen wie Abschiebehaftzentren sowieso erübrigen, es gäbe andere, billigere und vor allem menschengerechtere Möglichkeiten.