Am 6. Januar erlebten wir gemeinsam den Auftritt der Sternsinger. Drei meiner Schätzung nach 12-14jährige Mädchen, als Könige verkleidet, mit ihrer Begleiterin. Ich fand, sie hatten ihre Sache gut gemacht. Ein Mitbruder empfand das völlig anders: „Ich bin entsetzt, ich bin entrüstet. Die haben das doch gar nicht ernst genommen!“ Zugegebenermaßen war ich völlig irritiert über diese Wahrnehmung und begann, die Mädchen-Könige zu verteidigen. Keine Chance! Deswegen gab ich auf.
Diese Begebenheit ging mir nach. Warum hat der Mitbruder so reagiert? Welche Erlebnisse und Erfahrungen lassen ihn zu einer solchen Einschätzung kommen? Was steckt dahinter? Mir war außerdem klar geworden, dass die Wahrnehmung mit Gefühlen zu tun hatte, das war nicht nur rational. Und Gefühle sind stark und kaum rational ansprechbar.
Wenn es um den Glauben geht, dann ist genau dies zu bedenken. So sehr ich mich um eine intellektuell redliche und verantwortete Verkündigung bemühe, ich habe jeweils Menschen mit Gefühlen und von ebendiesen gesättigten Erfahrungen vor mir. Mit großer Inbrunst etwa singen Menschen Lieder, deren Text bzw. Inhalt wenigstens in Frage zu stellen ist. Manchmal kann ich mich eines Lächelns nicht erwehren! So etwas geschieht durchaus bei Menschen, die im Berufsalltag ihre Frau und ihren Mann stehen.
Nach einigen Jahren eher administrativer Arbeit in der Zentrale unserer Gemeinschaft bin ich jetzt in den pastoralen Alltag zurückgekehrt und versuche, mich zu orientieren.
Wie gehen wir um mit unserer verschiedenen religiösen Prägung, anderen Schwerpunkten in unserer Frömmigkeitspraxis? Da gibt es die einen, die unbedingt das bekannte Bild des barmherzigen Jesus von Sr. Faustyna in der Kirche aufstellen wollen. Und die anderen, die sich genau dies eher nicht vorstellen können.
Oder die weiterhin schwelenden Fragen um den Stellenwert der Eucharistiefeier. Welches Gewicht hat sie im Gegensatz zur sonntäglichen Gemeindeversammlung in einem Wortgottesdienst? Ostern muss geplant werden und die Zahl der „vorhandenen Priester“ lässt nicht zu, in jeder Gemeinde alle drei österlichen Tage zu feiern. Wie damit umgehen? Die drei Tage an einem Ort, an verschiedenen Orten? Welchen Stellenwert hat die Liturgie/Theologie, welchen die konkrete Gemeindewirklichkeit?
Da kann man und frau sich zum einen die Köpfe heiß reden, und außerdem spielen wieder die Gefühle hinein.
Als einer, der momentan keine Letzt- bzw. Hauptverantwortung hat, kann ich einigermaßen gelassen sein. Wobei ich merke, dass mir unser Miteinander wichtiger ist als die ein oder andere Entscheidung (, wie ich sie gerne hätte). Was nicht heißt, dass ich nicht meine Meinung einbringen möchte und werde.
Und ich hoffe, dass uns als Kirche die „synodale Praxis“ dabei hilft: nicht unliebsame oder schwierige Themen auszuklammern, aber auf jeden Fall miteinander im Gespräch zu bleiben und uns nicht gegenseitig den Glauben abzusprechen, auch wenn wir ganz verschiedene Ansätze haben und Schwerpunkte setzen.
Der Ansatz muss sich zugegebenermaßen noch bewähren und in der Praxis als tauglich erweisen. Fertig werde ich und werden wir damit sowieso nie. Und das ist schön und gut so!
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