Sonntag, 15. März 2026

Kirche und Gastfreundschaft

Vor ein paar Tagen machte ich einen Morgenspaziergang. Sonst gehe ich wenn, dann eher nachmittags, aber für diesen Tag war Regen angekündigt (der dann tatsächlich kam!) und am Morgen war es noch schön. Ich genoss die Landschaft im besonderen Licht des Morgens und beim Zurückgehen meinte ich in der Ferne einen Kirchturm wahrzunehmen, der mir bis dahin noch nicht aufgefallen war. Nanu! Ich ging weiter, kniff die Augen zusammen und erkannte, dass es sich bei dem vermeintlichen Kirchturm wohl um einen großen Baum handelte, wunderschön spitz zulaufend, wie eben so mancher Kirchturm. Wie sagt mein Freund Alfred: „gut hören tue ich schlecht, aber schlecht sehen tue ich gut!“

Auf jeden Fall saß ich dann mittags in unserer Küche und schaute zum Fenster hinaus, wo draußen im Gelände ein paar verschieden große Bäume stehen. In den Zweigen des einen sah ich zunächst zwei Tauben am turteln, ganz fleißig die Schnäbel aneinander wetzen. Auf der anderen Seite desselben Baumes, ein wenig weiter oben auf einem anderen Zweig ein kleiner Vogel, vielleicht eine Meise, der dort saß. Wahrscheinlich bietet der Baum gleichzeitig noch anderen Vögeln Platz, ganz zu schweigen von den für meine Augen jetzt wirklich nicht sichtbaren kleinen Käfern und Insekten.

Mit dem konkreten belebten Baum vor Augen und dem vermeintlichen „Kirchturm-Baum“ vom Morgen im Hinterkopf begann ich darüber nachzudenken, ob nicht die Kirche so ist oder wenigstens so sein könnte wie der Baum vor dem Fenster, der vielem Getier einen Platz bietet, kleinem und großem.

„Im Gelände“ stehen nicht nur Bäume, sondern auch Gebäude. In den ehemaligen Internatsgebäuden gibt es heute zwei Jugendhäuser, welche jeweils für ca. 50 Menschen Raum bieten. Seit ich jetzt hier am Ort bin, habe ich als Gäste, die ein Wochenende hier verbrachten, zweimal einen Spielmannszug und einmal eine Gruppe „Orientierungssport“ erlebt. Die beiden Spielmannszüge waren fleißig am proben, in einem Raum die Flöten/Bläser, in einem anderen Raum die Trommeln. Und die Sportler begannen schon um 7.00 Uhr morgens mit Frühsport und tagsüber sah ich immer wieder welche auf dem Sportplatz bei Aufwärm- oder sonstigen Übungen. Und ich freue mich über diese Gäste! Diese nutzen eine kostengünstige Unterkunftsmöglichkeit, welche sie hier finden. Und ich erlebe junge, engagierte Menschen, die mir echt Eindruck machen.

Vielleicht können solche Ideen auch dabei helfen, mit der Trauer bezüglich der Umwidmung mancher Kirche umzugehen. Versammlungsräume, Hotels, Restaurants, Buchhandlungen, Kletterhallen, was alles entsteht nicht in ehemaligen Kirchbauten. Ich möchte es mir damit nicht zu leicht machen, aber die ein oder andere neue Nutzung fördert das Leben und die Freude, auch wenn kein Gottesdienst mehr dort gefeiert wird.

Schließlich kam mir noch ein gewisser Jesus in den Sinn, der einmal sagte: „Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen“ (Lk 13,18f.).