Donnerstag, 30. April 2026

Weltgebetstag um geistliche Berufe

26. April 2026. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, zum 63. Mal, 1964 war der erste. Ich musste rechnen, weil ich ja auch 1964 zur Welt kam. Aber im Jahr meines ersten Geburtstags wurde der Weltgebetstag eben schon zum zweiten Mal begangen. So sind wir gleich alt, aber der Weltgebetstag ist mir ein Jahr voraus.

Schon vor Jahren kursierten Witze über Bischöfe aus Indien oder Afrika, die sich bei ihren deutschen Kollegen bedankten: „toll, dass Ihr um geistliche Berufungen betet, das Gebet kommt bei uns an!“ Tatsächlich: während hierzulande Priesterseminare geschlossen bzw. zusammengelegt werden müssen und die theologischen Fakultäten Überlebensstrategien entwerfen, werden in einigen Ländern Afrikas neue Priesterseminare eröffnet. Mit dem „Import von Priestern“ ist das so eine Sache. Von einer deutschen Diözese hörte ich, es habe sich selbst als Regel gegeben, dass nicht mehr als ein Drittel der in der Diözese arbeitenden Priester aus dem Ausland sein sollen. Eine österreichische Diözese dagegen hat sich entschlossen, keine ausländischen Priester mehr anzustellen. Die Missionare vom Kostbaren Blut erinnern dieses Jahr an den Beginn ihrer Präsenz im afrikanischen Tansania vor 60 Jahren. Drei italienische Missionare begannen seinerzeit. Heute gehören zur tansanischen Provinz gut 80 einheimische Missionare und in Tansania arbeitet noch ein italienischer Missionar. In Rom bin ich im vergangenen Jahr noch einem jungen afrikanischen Missionar begegnet, der zur Gemeinschaft der Afrika-Missionare (früher wurden sie „Weiße Väter“ genannt) gehört. Er erzählte mir, dass er Vorbehalte seiner europäischen Mitbrüder nicht verstehe, welche sich gegen den Einsatz von Afrikanern in Europa aussprechen. „Die sind doch früher auch zu uns gekommen!“ Es gilt, genau hinzuschauen. In einer immer mehr zusammenwachsenden Welt können weltkirchliche Erfahrungen ein großes Geschenk sein und gegen kirchliche Enge helfen. Aber so etwas muss dann auch proaktiv angegangen werden, nicht dass Leute von außerhalb engagiert werden, um ein bestehendes, evtl. ja sogar siechendes, System zu erhalten.

Ich werde das Foto von den runden Tischen in der Synodenaula nicht los, an denen Kardinäle und „Laien“, Frauen und Männer gemeinsam saßen. Welch ein Bild von Kirche! Eben nicht die einen vorne und die anderen hinten. Die einen am reden, die anderen am zuhören. Die einen am lehren, die anderen am lernen. Wobei es ja nicht um eine primitive Gleichmacherei geht!

Vor kurzem zeigte uns ein Pastoralpsychologe eine Graphik, bei der ganz oben „Gott“ stand, darunter waren die Laien und ganz unten auf der Seite die Seelsorger/Priester. Als ich ihn fragte, ob nicht die Priester zwischen den gläubigen Laien stehen sollten, blendete er eine weitere Folie ein, wo genau das zu sehen war. Mit seiner ersten Folie hatte er, so erklärte er mir, ausdrücken wollen, dass die hauptamtlichen Seelsorger den Menschen dienen sollen. Die Seelsorger stehen nicht zwischen Gott und den Menschen, sondern eben unter ihnen.

Gebet um geistliche Berufe am Weltgebetstag ist also ein Gebet, welches „eigennützig“ sein soll und gleichzeitig in die Pflicht nimmt. Wir beten um Menschen, die uns in unserem Glauben helfen, begleiten, mit uns auf dem Weg sind. Weil wir im Glauben unterwegs sein und wachsen wollen!

Vor diesem bzw. auf diesem Hintergrund wird es dann auch um die Fragen von Geld und Macht gehen. Was ist „ehrenamtlich“, was bezahlte Arbeit? Und wer entscheidet auf den verschiedenen Ebenen? Gut, dass da synodale Lernprozesse am Laufen sind.

Immer mehr wird auch über die Umnutzung bzw. Profanierung von Kirchbauten gesprochen bzw. geschrieben. Interessant finde ich die Ideen einer Weiternutzung von Kirchen als Kulturorte bzw. als gemeinschaftliche Treffpunkte ohne Konsumzwang. Gleichzeitig frage ich mich, wie viele Kirchbauten überlebensfähig sind ohne die „lebendigen Steine“.

Mittwoch, 15. April 2026

Behalten oder wegwerfen?

Viele Jahre hat er mich begleitet, ein Serviettenring aus Holz, den mir eine befreundete Ursulinenschwester aus ihrem Tertiatsjahr in Botswana in Afrika mitbrachte. Von dort zurück gekehrt, schenkte sie mir eben diesen Serviettenring aus Holz in Form eines Zebras. Das Loch in der Mitte war etwas klein, manche Serviette ließ sich, selbst gut zusammengerollt, gar nicht hinein bzw. durch stecken. Also riet mir ein Mitbruder Ende der 90er Jahre in Baumgärtle, mit Hilfe der Bohrmaschine dieses Loch zu vergrößern. Was ich (unbegabter Handwerker!) auch versuchte - und womit ich das arme Holzzebra verletzte.

Im Lauf der Jahre trug das Holz-Zebra verschiedene Schäden davon: ein Ohr brach ab, ein Teil des Vorderfußes. Und einmal brach es mitten entzwei, vermutlich eine Spätfolge meines Bohr-Manövers. Es gelang mir, die beiden Teile wieder zusammen zu leimen und der Serviettenring tat weiter seinen Dienst und begleitete mich, machte allerhand Umzüge mit. Die „Zebrastreifen“ waren wohl mit schwarzer Farbe aufgemalt gewesen, denn die Farbe verblasste mit der Zeit bzw. durch das regelmäßige Angreifen. So dass meine römischen Mitbewohner vom „cavallo“, dem Pferd, sprachen, während es für mich immer das Zebra blieb.

In Rom brach es dann ein weiteres Mal entzwei. In unserem Haus dort gibt es keine Werkstatt, wie ich sie woanders zur Verfügung hatte. So trug ich die beiden Teile meines Zebras zum „corniciaio“, einem Geschäft für Bilderrahmen. Tatsächlich leimte mir ein junger Mann das Zebra wieder zusammen. (Später trug ich dorthin auch das Foto des neu gewählten Papstes Leo XIV., um es rahmen zu lassen.) Und ich hatte mir vorgenommen: wenn das Zebra noch einmal auseinander bricht, dann werde ich es wegwerfen. So geschah es vor ein paar Tagen. Nicht ohne ein wenig Wehmut wanderten die beiden Zebrateile zum Restmüll.

Jetzt liegt die Serviette einfach so an ihrem Platz. Die Mitbrüder hier rieten mir zu einer Alternativlösung und erwähnten Serviettentaschen, die vorhanden sein müssten. Die Mutter des einen hatte sie vor Jahren einmal genäht, bzw. bestickt. Sie waren jedoch nicht ganz sicher, ob sich diese Teile noch finden ließen, da sie schon lange keine Verwendung hatten, nicht alle sind Serviettennutzer wie ich. Also machte ich mich auf die Suche und fand – tatsächlich nichts. Einer hatte die Serviettentaschen vermutlich – weil nicht benutzt und deswegen überflüssig – entsorgt. So ist das mit dem Behalten und Wegwerfen...