Wir hatten Besuch, zwei Tage blieb Peter bei uns. Unter anderem sprachen wir über seine berufliche Tätigkeit. Er war nach seiner Lehre als Schwachstromelektriker in der Firma (ein Weltkonzern!) aufgestiegen zum „Problemmanager“ für Computerlösungen. Als er von den internationalen Konferenzen erzählte, die er zu leiten hatte, eben um „Probleme zu managen“, mit Kollegen aus verschiedenen Ländern, unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten, abgesehen vom verschieden „gefärbten“ Englisch, da wurde sehr deutlich, dass dies eine stressige Angelegenheit sein muss. Peter erzählte, dass er tatsächlich bereits vor 20 Jahren überlegt hatte, auszusteigen und etwas anderes zu tun. Seinen Zivildienst hatte er in der Altenpflege geleistet und das hatte ihm Freude gemacht. Beim Blick auf das Gehalt dort hat er sich jedoch entschieden, „noch 20 Jahre durchzubeißen“, bevor er in eine Form der Altersteilzeit gehen konnte.
Das Gespräch geht mir nach, nicht nur weil da einer im Blick auf das Gehalt nicht den Beruf ausübt, den er vielleicht bevorzugen würde. Sondern auch, weil ich mich nach den Begründungen für solche Gehaltsunterschiede frage. (Schließlich werden Leute im Pflegebereich ja gesucht!) Warum muss denn jemand mehr verdienen, der sich um (m)einen Computer als diejenige, die sich um meine alte Mutter kümmert?
Während Peter bei uns war, las ich dann von einem Interview mit Martha Zechmeister, welche bei den diesjährigen Salzburger Hochschulwochen mit dem „Theologischen Preis“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden war. In besagtem Interview (mit den österreichischen Kirchenzeitungen) plädierte Zechmeister für eine „Zivilisation der Armut“ und sagte unter anderem: "Denken Sie zum Beispiel an die Pflege. Es ist uns in Europa wichtig, wie wir wohnen, welches Auto wir haben, wohin wir auf Urlaub fahren und wo wir speisen. Dafür ist uns keine Ausgabe zu teuer. Aber in Pflegeleistungen wollen wir möglichst wenig investieren! Dafür reicht das Geld nicht. Wo bleibt da die Menschlichkeit?"
Mir kam dann auch wieder das Buch des vor vier Jahren verstorbenen Psychiaters Klaus Dörner in den Sinn: „Leben und sterben, wo ich hingehöre“, in welchem er das „Heim-Modell“ kritisch hinterfragt. Ich bin hin und her gerissen auch aufgrund eigener Erfahrungen mit älteren Mitbrüdern in meiner Gemeinschaft. Wie schön, wenn sie in einer unserer Hausgemeinschaften leben können. Und Respekt vor allen, die sich dafür konkret einsetzen und viel Zeit investieren. Und dann gibt es auch den Zeitpunkt, zu dem eine Gemeinschaft überfordert scheint, ähnlich wohl wie eine Familie, und doch einen Platz in einem Alten- und Pflegeheim sucht. Der Aufenthalt dort wird immer teurer. Und trotzdem sind die Pflegekräfte unterbezahlt. Wobei es andererseits auch schade ist, wenn es vor allem und zuerst um Geld geht.
In den vergangenen Jahren bekam ich in Italien mit, wie sich in den heißen Sommern die Gemeinschaft Sant' Egidio besorgt an die Öffentlichkeit wandte und dazu aufforderte, die alten Menschen in Alten- und Pflegeeinrichtungen nicht zu vergessen, weil diese unter Umständen nicht genug ans nötige Trinken erinnert würden. Ob da im familiären Umfeld zu Hause eher möglich ist?
Ich bringe diese Überlegungen zusammen mit der Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV., die ich zu lesen begonnen habe. Im dritten Kapitel geht er unter Rückgriff auf seinen Vorgängen Franziskus kritisch auf das sich zunehmend durchsetzende „technokratische Paradigma“ ein, „also die Tendenz, persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits zu unterwerfen“. Franziskus sprach ja auch gelegentlich von der „Wegwerfgesellschaft“.
Peter – unser Besuch – erzählte davon, dass es oftmals kostengünstiger sei, einen Computer neu zu installieren als Reparaturversuche zu unternehmen. Andere würden evtl. sogar gleich ein neues Gerät vorschlagen. Es wird mehr als heikel, eine solche Mentalität auf menschliche Wesen übertragen zu wollen...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen