Mit großer Dankbarkeit denke ich an P. Jakob Förg MSC, der am 9. Mai mit 85 Jahren verstorben ist. Wenn ich mich recht erinnere, dann haben wir uns während meines Studiums in Salzburg kennengelernt und sind seitdem immer in Kontakt geblieben.
Sicher habe ich ihn nicht gut genug bekannt, um ein umfassendes Lebensbild von ihm zu zeichnen. Von dem wenigen, was ich weiß und erlebt habe, sind es drei miteinander verbundene Stränge, welche ich unterstreichen möchte.
Wenn ich an Jakob denke, dann sehe ich ihn Fahrrad fahrend in Salzburg unterwegs. Diese für ihn typische Fortbewegungsart ist für mich ein Ausdruck seiner Einfachheit und Bescheidenheit. Er war absolut nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellte. Und schien mir immer sehr aufmerksam für sein jeweiliges Gegenüber.
Während meiner Zeit als Pfarrer in Salzburg-Parsch hatte ich ihn – und hier komme ich bereits zum zweiten Strang – einmal zu einem Abend in die Gemeinde eingeladen, um über die verfolgte Kirche zu sprechen. Er kam natürlich mit dem Fahrrad! Und erzählte sehr beeindruckend. Bis heute erinnere ich mich an eine Fahrradgeschichte an diesem Abend. Jakob berichtete von einer „Missionsstrategie“ chinesischer Christen, welche mit dem Fahrrad unterwegs sind und bei einer echten oder vorgetäuschten Fahrradpanne die Gelegenheit nutzen, um Hilfe zu bitten und den jeweils Helfenden von Jesus zu erzählen. Kreativ!
Jakob setzte sich mit großem Engagement für die verfolgten Christen ein und für solche, die in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion neue Freiheit gewonnen hatten. Kein Wunder, dass auch das Hilfswerk „Christen in Not“ früher „Christian Solidarity International CSI“ an ihn erinnert (https://christeninnot.com/cin-trauert-um-p-jakob-foerg/). Oft reiste Jakob nach Litauen und auch in andere Länder im Osten, pflegte Kontakte und unterstützte. Hin und wieder schickte er mir einen Jahresbericht seiner diesbezüglichen Aktivitäten und ich war jeweils tief beeindruckt davon. Vermutlich ist er für den Transport von Tonnen von Literatur in die Länder jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs verantwortlich. Religiöse Kinderliteratur hat er übersetzen und drucken lassen. „Die kleine Eule“ von Lene Mayer-Skumanz ist sicher durch Jakob ganz vielen Menschen in verschiedenen Ländern bekannt geworden. Manchmal konnte Jakob auch theologische Literatur aus Nachlässen an Bibliotheken in Priesterseminaren oder anderen Bildungseinrichtungen in Ländern des Ostens vermitteln.
Und er war nicht nur für den Transport gedruckter Worte, sondern auch für denjenigen gedruckter Musik im Einsatz. Viele Musikliteratur fand durch ihn ihren Weg über Grenzen. Wie konnte er sich freuen, wenn ihm ein Musikalienverlag Notenmaterial zu diesem Zweck überlassen hatte. Natürlich hatte diese besondere Form des Einsatzes mit Jakobs persönlichen Fähigkeiten als Kirchenmusiker zu tun, er spielte Orgel und konnte auch einen Chor leiten. Ich erinnere mich an seine Freude darüber, wenn es ihm gelungen war, Stipendienplätze für junge Kirchenmusiker/innen aus Ländern des Ostens bei kirchenmusikalischen Werkwochen in Salzburg zu bekommen. Manchmal traft er dann die Teilnehmenden solcher Kurse bei seinen Reisen wieder.
Sein Engagement für Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion war bisweilen beinahe kämpferisch. Ein paar Mal sandte er mir die Kopie eines (Beschwerde-)Briefes, den er an Präsident Putin geschrieben hatte. Jakob war auch im Kontakt mit Tatiana Goritschewa, deren Buch „Von Gott zu reden ist gefährlich“ ich als Student gelesen hatte. Hin und wieder sandte er mir die Kopie eines Briefes, den Tatiana ihm geschrieben hatte und er teilte mir auch noch ihren Tod im vergangenen Jahr mit.
Hinter allem Engagement Jakobs mache ich eine geistliche Tiefe aus, die ihn wohl antrieb und zum Einsatz befähigte. Im Normalfall hatten seine Mails an mich immer mehrere Anhänge. Er sandte mir Manuskripte von Morgenandachten des Deutschlandfunks oder von Predigten des Linzer Sozialreferats, die ihm gefallen hatten. Und zum Namenstag bekam ich mehrmals den Text eines Aloisius-Liedes von ihm gesandt.
Mit großer Dankbarkeit gehe ich davon aus, dass Jakob mit festlicher Musik und Gesang in verschiedenen Sprachen empfangen werden wird!
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