Dienstag, 31. März 2026

Ostern feiern im pastoralen Raum

Wie geht das, die Karwoche und Ostern in „pastoralen Räumen“ zu feiern? Aus der Theorie kannte ich diese Frage ja schon, jetzt lerne ich auch die Praxis kennen. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass die Zahl der Pfarreien höher ist als die Zahl der Priester, welche in diesen Dienst tun können. Manche vertreten einen streng liturgisch-theologischen Ansatz, laut dem die drei österlichen Tage, Gründonnerstag bis Ostersonntag, eigentlich als ein einziger Tag verstanden und gefeiert werden müssen. Logischerweise folgt dann für einen solchen Ansatz, das auch an ein und demselben Ort zu tun, also alle Feiern von Gründonnerstag bis Ostersonntag in ein und derselben Kirche. Diese ideale Vorstellung trifft nicht selten auf Menschen, welche einen Gottesdienst mitfeiern, der in ihrer heimatlichen Pfarrkirche stattfindet, aber die sich nicht für einen Gottesdienst an einem anderen Ort auf den Weg machen – selbst an Ostern nicht. Demnach könnte man Gründonnerstag in der Pfarrei A, Karfreitag in der Pfarrei B, die Osternacht in der Pfarrei C und Ostersonntag in der Pfarrei D feiern.

Gesetzt den Fall, im pastoralen Raum hat sich die liturgisch-theologische Ideallösung durchgesetzt bzw. ist diese durchgesetzt worden: das sogenannte österliche Triduum findet in der Pfarrei A statt. Vielleicht weil dort die größte Pfarrkirche steht, oder weil der Ort zentral gelegen ist. Was machen die Christenmenschen in den Pfarreien B, C und D? Ob sich die eine oder der andere doch auf den Weg macht? Es gibt wenigstens eine Alternative: Menschen in diesen Gemeinden tun sich zusammen und feiern gemeinsam Gottesdienst in ihrer Pfarrkirche. Z.B. am Gründonnerstag ein Abendmahl, eine Agape, am Karfreitag einen Kreuzweg oder eine eigens gestaltete Kreuzverehrung, eine Lichtfeier in der Osternacht. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich da engagieren! Nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen an meinem ersten pastoralen Wirkungsort in Kärnten. Dort war und ist für viele Menschen die wichtigste Sache an Ostern die „Fleischweih“, also die österliche Speisensegnung. Wobei diese dann tatsächlich als eigenständiger Wortgottesdienst am Karsamstag gefeiert wird (die gesegneten Speisen sollen ja an Ostern zum Verzehr bereit sein!) und nicht als Element der Osterliturgie.

Für den Dienst tuenden Priester im pastoralen Raum stellen sich aber unter Umständen noch andere Fragen, zumal wenn er noch relativ neu dort ansässig ist. Dadurch dass ich zur Sonntagsmesse in verschiedenen Pfarreien unterwegs bin, ist es gar nicht so einfach, die (liturgische) Kultur einer Gemeinde kennen zu lernen. Und ich möchte meine Ideen keinesfalls jemanden aufoktroyieren, sondern die Menschen vor Ort mit ihrer Geschichte und ihrer Praxis respektieren. Kann ich unbefangen und unverkrampft am Ende eines Gottesdienstes in der Fastenzeit dazu einladen, sich miteinander Gedanken über die Gestaltung der österlichen Tage zu machen, ohne dass ich damit Langgedienten und Altbewährtem in die Quere komme? Und was zerbreche ich mir den Kopf, wenn ich im kommenden Jahr vermutlich wieder an einem anderen Ort im Einsatz bin?

Vor einem Monat, im vorletzten Post, habe ich mein Empfinden bei einer Vorabendmesse im Paderborner Dom beschrieben, bei der es zu meiner Überraschung nur eine Lesung gab. Daraufhin gab es verschiedene Reaktionen. Jemand ermutigte mich, es doch in meiner Praxis als Gottesdienstvorsteher einfach zu tun, zwei Lesungen nehmen. Jemand anderer schrieb anonym, er (oder sie) fühle sich „betrogen“, wenn nur eine Lesung genommen werde. Mit beiden Reaktionen ringe ich: zum einen will nicht ich als Vorsteher der Liturgie allein entscheiden, denn ich bin zwar Vorsteher, aber als solcher auch Mitfeiernder. Tatsächlich fände ich es schön, miteinander ins Gespräch zu kommen, für und wider abzuwägen. Und da frage ich mich, ob das noch geht, wenn jemand von vornherein formuliert, er (oder sie) fühle sich „betrogen“. Damit unterstelle ich ja gleich eine böse Absicht, obwohl es gute Gründe für die praktizierte Lösung geben oder gegeben haben mag. Natürlich betrachte ich die Liturgie nicht als „beliebige Verfügungsmasse“, dagegen wehre ich mich! Gerne würde ich im Kontakt mit Menschen in einer Gemeinde erspüren, was sie z.B. über die Fußwaschung am Gründonnerstag denken. Und ob nicht wenigstens an diesem Tag die Möglichkeit bestehen sollte, die Kommunion unter beiderlei Gestalten zu empfangen, den Leib und das Blut Christi. Ich wünschte mir synodale Gespräche mit aufmerksamem und wohlwollendem Zuhören, um auf diese Weise miteinander Liturgie vorzubereiten, neu zu entdecken und tiefer zu feiern – nicht nur an Ostern.

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