Um nicht nur vorwiegend am Schreibtisch zu sitzen, war ich schon länger auf der Suche nach einer Form freiwilligen Engagements. Vielleicht auch mit Papst Franziskus im Hinterkopf, dass „jede/r wenigstens eine/n Arme/n zum Freund, zur Freundin haben sollte“.
So war ich sehr froh, als vor gut zwei Jahren eine
Organisation namens „Slaves no more“ in Zusammenarbeit mit der Diözese Rom
Ordensleute einlud, die sich einen Besuchsdienst im CPR (Centro di
permanenza per il rimpatrio; früher hieß diese Einrichtung CIE, Centro
di Identificazione ed espulsione) Ponte Galeria vorstellen könnten. In
diesem etwas außerhalb der Stadt (Richtung Flughafen Fiumicino liegenden)
Abschiebehaftzentrum gab es vor der Corona-Pandemie einen Besuchsdienst von
(Ordens-)Frauen bei den dort festgehaltenen Frauen. Nach der Pandemie sollte
diese Initiative wieder aufgenommen und auch auf den Männerbereich ausgedehnt
werden. Allerdings blieb es bei dieser Besprechung vor zwei Jahren – es gab danach
nie eine Erlaubnis zum Betreten des Zentrums, offensichtlich ist der politische
Widerstand zu groß. Als sich Anfang Februar im Zentrum ein junger Afrikaner das
Leben nahm, war das CPR Ponte Galeria kurz in den Medien, weil es eine Art
Revolte einiger der dort festgehaltenen Personen gab, die unter anderem
Matratzen und ein Polizeiauto in Brand steckten. Aber inzwischen herrscht
wieder Schweigen.
Vor ca. 15 Jahren hatte ich in Madrid regelmäßig Menschen im
dortigen CIE (dort bedeutet die Abkürzung Centro de internamiento de
extranjeros) besucht. Obwohl uns Besucher*innen der Zugang schwer gemacht
wurde, wurde uns immerhin Einlass gewährt. In Spanien ist vor einem Jahr ein
Themenheft mit dem Titel: „Los CIE: instrumentos de sufrimiento inútil“ (Die
CIE: Instrumente unnötigen Leidens) veröffentlicht worden. Tatsächlich habe ich
das Madrider Zentrum ebenso in Erinnerung: es gleicht einem Gefängnis, aber im
Gegensatz zum Gefängnis fehlen den dort festgehaltenen Menschen Dinge, welche
Gefangenen im Gefängnis zugestanden werden, z.B. Freizeit-, Arbeits-,
Fortbildungsmöglichkeiten oder auch „religiöse Betreuung“.
Ich hatte zwischendurch noch zweimal bei „Slaves no more“
nachgehakt. Beim ersten Mal bekam ich eine Antwort mit dem Hinweis auf
schwierige politische Verhandlungen, beim zweiten Mal kam nicht einmal mehr
eine Antwort. Dafür Ostergrüße via Mail. Wobei ich bei der Besprechung vor zwei
Jahren einen guten Eindruck von den Engagierten hatte. Es scheint tatsächlich
politisch zu „haken“.
Nach dem Suizid des jungen Afrikaners Anfang Februar kam mir
die Idee, ob nicht wenigstens vor dem CPR gebetet werden könnte. In Madrid
hatten wir seinerzeit einen Kreuzweg vor dem CIE gebetet, natürlich unter
Polizeiaufsicht, aber das könnte ja auch hier so geschehen. So begann ich mich
auf die Suche nach Mitstreitern bzw. -betern zu machen.
Dabei wurde mir klar, dass auch Organisationen, die sich sehr wohl für Geflüchtete einsetzen, das CPR nicht (mehr) auf dem Schirm haben. Im Centro Astalli etwa, dem italienischen Zweig des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes sagte mir jemand am Telefon, sie hätten vor fünf Jahren zum letzten Mal einen Kontakt mit dieser Einrichtung gehabt.
Auch im Telefonat mit einem Priester der Diözese, zu der Ponte Galeria gehört, ergab sich nichts Hilfreiches.
Dann gibt es unter den Ordenskurienmitarbeitern solche, die sich in Gruppen unter der Thematik „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ zusammenfinden. Aber die hatten schon einen Kreuzweg geplant und so wurde aus meiner Idee des Kreuzwegs beim CPR zunächst einmal nichts.
Ich werde versuchen, weiterhin aufmerksam zu bleiben und die Menschen in mein Gebet hineinnehmen…
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen