Sonntag, 2. Januar 2011

Neujahr



Mit dem geöffneten Tor vor dem Missionshaus in Maria Baumgärtle wünsche ich Euch offene Türen in diesem Neuen Jahr, Mut zu neuen Wegen und Freude mit bewährten...

In den Tagen vor Weihnachten konnte ich in Baumgärtle gut im Beichtdienst helfen. Wieder neu hat mich die an diesem Ort selbstverständliche Praxis gefreut. Die letzten Tage vor Weihnachten saß ständig einer von uns Patres im Beichtstuhl und wir wechselten uns dann ab, weil das konzentrierte Zuhören ja auch anstrengend ist. Das Geschehen finde ich unbedingt würdigenswert. Zum einen weil da Leute eine gute Art für ihre Seelen- bzw. Psychohygiene gefunden haben. Ohne damit das Beichtgeschehen verpsychologisieren zu wollen. Es geht mir ja selbst als Beichtendem immer wieder neu so, dass ich ins Staunen darüber gerate, was da passiert. Es begegnen einander zwei nach außen hin unvollkommene Menschen: der eine beichtet seine Sünden und wer weiß, ob er sich und seinen Zustand dabei richtig erkennt und ins Wort bringen kann. Auf der anderen Seite sitzt einer und sagt nach dem Bekenntnis und vor der Lossprechungsformel vielleicht noch etwas. Und bei diesem ist genauso die Frage, ob er den anderen richtig verstanden hat und mit seinem Zuspruch trifft. Und an dieses Geschehen zwischen menschlich gesehen zwei unvollkommenen Menschen bindet sich ein göttliches Ereignis, geschieht Befreiung von Sünde und Neuanfang.

Aber auch eine Ebene tiefer passiert viel: wo findet denn ein vergleichbarer Glaubensaustausch sonst statt in unseren kirchlichen Vollzügen? Dass da ein Mensch sein Leben – etwa anhand der Gebote Gottes – ansieht und zum Ausdruck bringt vor einem anderen? Und wie oft bin ich als Beichtvater nicht nur innerlich berührt, sondern auch beschämt von dem, was ich da höre, was ich mitbekomme vom Ringen im Leben eines Menschen. Keine Frage, dass mir das zur Motivation wird für meinen Glaubensweg.
Manchmal kommen Ehepaare und Familien miteinander nach Baumgärtle zur Beichte. Aber auch sonst berührt es mich, wie ich mitbekomme, wenn einer nach der Beichte die Tür aufhält für den Nächsten. Da wird das Miteinander – im – Glauben – Unterwegs – Sein geradezu „handgreiflich“. Und Beichte wird ganz natürlich als kirchliches Geschehen und nicht als eine anonyme, versteckte Angelegenheit im Halbdunkel erfahren.
In der Baumgärtler Wallfahrtskirche gehen die Menschen ja sogar nach vorne zu den Beichtstühlen, deren Zugang im Altarbereich liegt. Was architektonisch zunächst fragwürdig wirken könnte, bringt im Hinblick auf den Vollzug des Sakramentes Wesentliches zum Ausdruck.

Ansonsten genoss ich die Weihnachtsfeiertage mit der Hausgemeinschaft in Baumgärtle. Zum einen ist das die einzige in unserer deutschsprachigen Provinz, in der es außer den Patres auch Brüder gibt, Br. Anton und Br. Michael. Auch die drei polnischen ASC – Schwestern hatten noch eine Mitschwester über die Festtage zu Besuch, so dass wir zu insgesamt elft am heiligen Abend Weihnachtslieder sangen. In der heiligen Nacht und am Fest der heiligen Familie war ich in der kalten Pfarrkirche in Unterrieden zum Gottesdienst.

Und ab dem 26.12. verbrachte ich die letzten Tage des alten Jahres mit meinen Eltern und traf dabei auch drei meiner (leiblichen) Brüder - natürlich etwas Wunderschönes!

Keine Kommentare: